Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Wenn die Kindeserziehung aufgeteilt wird

Das Wichtige über die temporäre Bedarfsgemeinschaft in Kürze

  • Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft kann entstehen, wenn Kinder getrennt lebender Hilfebedürftigen sich regelmäßig bei beiden Elternteilen aufhalten.
  • Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft entsteht nur, wenn sich das Kind regelmäßig länger als 12 Stunden pro Tag bei einem Elternteil aufhält.
  • Die temporäre Bedarfsgemeinschaft wird auf Antrag berücksichtigt. Die Hartz-4-Leistungen werden dann entsprechend aufgeteilt, wenn beide Elternteile Hartz-4-Empfänger sind.

Was ist bei Hartz-4-Bezug eine temporäre Bedarfsgemeinschaft?

Empfänger von Hartz 4 bilden eine temporäre Bedarfsgemeinschaft, wenn das Scheidungskind zwischen den Eltern pendelt.
Empfänger von Hartz 4 bilden eine temporäre Bedarfsgemeinschaft, wenn das Scheidungskind zwischen den Eltern pendelt.
Das Arbeitslosengeld II (ALG II) dient zur Sicherung vom Lebensunterhalt bei Arbeitslosigkeit. Wer Hartz-4-Leistungen bezieht, wird in verschiedene Regelbedarfsstufen eingeteilt. Diese richten sich nach Alter und Lebensumständen des Betroffenen.

Leben zwei Partner zusammen, handelt es sich in aller Regel um eine Bedarfsgemeinschaft. Gleiches gilt, wenn Kinder mit im Haushalt der Leistungsberechtigten wohnen. Doch wie verhält es sich, wenn sich die Eltern trennen und der Sprössling abwechselnd bei beiden Elternteilen unterkommt?

In diesem Fall kann eine sogenannte temporäre Bedarfsgemeinschaft gebildet werden. Die Leistungen, welche das Kind erhält, werden dann aufgeteilt. Dies ist allerdings nur möglich, wenn der Sprössling regelmäßig mehr als 12 Stunden bei dem Elternteil verbringt, bei dem es nicht dauerhaft lebt.

Ein Antrag zur Anerkennung einer temporären Bedarfsgemeinschaft ist stets bei dem Jobcenter zu stellen, welches für die Leistungen des Kindes verantwortlich ist. Da die Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sollte der Antrag so früh wie möglich eingereicht werden.

Damit eine temporäre Bedarfsgemeinschaft anerkannt wird, ist es wichtig, dass der Aufenthalt vom Kind beim jeweiligen Elternteil genau definiert ist. Sporadische Besuche alle zwei Wochen für ein paar Stunden reichen nicht aus, um einen Anspruch auf Leistungen zu begründen.

Temporäre Bedarfsgemeinschaft = Kürzung vom Regelbedarf?

Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft entsteht z.B., wenn das bei der Mutter lebende Kind regelmäßig den Vater besucht.
Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft entsteht z.B., wenn das bei der Mutter lebende Kind regelmäßig den Vater besucht.
Grundsätzlich soll eine temporäre Bedarfsgemeinschaft dazu führen, dass die Leistungen gerecht ausgeteilt werden, sodass der Sprössling bei beiden Elternteilen leben kann. Der Aufenthalt vom Kind soll in diesem Fall unabhängig vom Sorge- und Umgangsrecht der Eltern anhand der tatsächlichen Verhältnisse beurteilt werden.

Verbringt der Heranwachsende beispielsweise pro Monat eine Woche bei seinem Vater und lebt sonst dauerhaft bei der Mutter, entsteht für diesen Zeitraum eine temporäre Bedarfsgemeinschaft mit dem Vater.

Sind beide Elternteile hilfebedürftig, werden die Regel- und ggf. Mehrbedarfe des Kindes auf beide Bedarfsgemeinschaften aufgeteilt. Zu diesem Zweck wird ein sogenannter Tagessatz errechnet. Je nachdem, wie viele Tage der Sprössling beim jeweiligen Elternteil verbringt, kann der Anteil von Mutter und Vater variieren.

Temporäre Bedarfsgemeinschaft rückwirkend beantragen – Geht das?

Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft kann in aller Regel nicht rückwirkend beantragt werden. Haben Sie allerdings Nachweise, wann sich das Kind bei welchem Elternteil aufgehalten hat, ist eine Bewilligung auch rückwirkend möglich. Diese Entscheidung wird allerdings stets im Einzelfall getroffen.

Wirkt sich eine temporäre Bedarfsgemeinschaft auf die Kosten der Unterkunft aus?

Hartz-4-Empfänger erhalten in aller Regel die Kosten der Unterkunft vom Jobcenter. Allerdings muss diese in einem angemessenen Rahmen liegen. Was dabei als angemessen zu bewerten ist, richtet sich nach dem örtlichen Mietspiegel und der Anzahl der Personen, die in dem Haushalt leben sollen.

Haben Leistungsempfänger also Anspruch auf eine größere Wohnung, wenn eine temporäre Bedarfsgemeinschaft vorliegt? In aller Regel ist diese Frage mit „Nein“ zu beantworten. Sollte allerdings nachweislich kein Platz für den Sprössling vorhanden sein, greift ggf. die Härtefallregelung.

Wichtig: Es ist allerdings grundsätzlich möglich, einen Antrag auf Erstausstattung für die Einrichtung vom Kinderzimmer zu stellen. Diese kann als Sonderbedarf gelten.

Bildnachweise: iStock/Deklofenak, fotolia.com/Ermolaev Alexandr

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