Studie: 1,5 Millionen Kinder leben von Hartz 4

News veröffentlicht am 7. Februar 2020 von bayram

Eine Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), zeigt, dass aktuell mehr als 1,5 Millionen Kinder von Arbeitslosengeld II abhängig sind. Die Grundlage für die Untersuchung bilden Zahlen und Daten der Bundesagentur für Arbeit aus den Jahren 2016 bis 2019. Ein Ergebnis der Studie: Kinder, die auf Hartz-4-Leistungen angewiesen sind, gehen zahlenmäßig zurück, genau wie die Anzahl der Hartz-4-Empfänger insgesamt, jedoch sehr viel langsamer.

DGB fordert höheren Mindestlohn und Aktionsprogramm gegen Kinderarmut

Buntenbach sinngemäß zur DGB-Studie: Kinder aus Hartz-4-Familien haben wenig Spielraum.

2016 haben laut der Auswertung 1,56 Millionen Kinder bis 14 Jahren in Familien gelebt, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen waren. 2019 waren es 1,51 Millionen, was einem Rückgang von 3,1 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum ging die Anzahl der Hartz-4-Empfänger insgesamt von 6,2 auf 5,65 Millionen zurück. Das ist ein Minus von 10 Prozent.

Somit zeigt die Studie auf, dass Kinder, die von Hartz-4-Leistungen der Eltern leben müssen, nicht in gleichem Maße von der guten Arbeitsmarkt- und Wirtschaftslage profitieren wie die Hartz-4-Empfänger selbst.

Jedoch handelt es sich nicht um reine Arbeitslosen-Haushalte. Tatsächlich verhält es sich so, dass 840.000 dieser Kinder in Familien leben, in denen mindestens ein Elternteil einer Beschäftigung nachgeht. Bei 500.000 davon handelt sich sogar um eine sozialversicherungspflichtige Anstellung. Und dennoch reicht das Geld oft hinten und vorne nicht, wie DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bemängelt:

Niedrige Löhne machen es trotz Arbeit oftmals unmöglich, den eigenen Lebensunterhalt und den eines Kindes aus eigenen Mitteln zu decken.

Sie fordert daher eine Anhebung des Mindestlohns und ein Aktionsprogramm, das vor allem Kinder unterstützt, die in Haushalten aufwachsen, in denen beide Elternteile von Sozialleistungen leben. Buntenbach beschreibt Kinderarmut als

besonders bitter, weil sie in die Zukunft wirkt und Entwicklungschancen raubt. Das Gefühl, nicht mithalten und oft sogar nicht mitspielen zu können, hinterlässt Spuren. Armut schränkt die Spielräume von Kinder ein – buchstäblich und im übertragenen Sinn.

Weitere Studie: Kinder aus Hartz-4-Familien können den Ausstieg aus der Armut schaffen

Die neusten Ergebnisse einer Langzeitstudie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zeigen, dass es Wege aus der Armut für Kinder gibt.

Die Untersuchung ist zwar nicht repräsentativ, aber deutschlandweit die einzige, die einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation der Eltern und den Lebensverhältnissen der Kinder über einen langen Zeitraum hinweg analysiert. Die Autoren hatten Ende der 1990er-Jahre mit der Grundlagenforschung begonnen. In das Untersuchungsfeld nahmen sie Kinder auf, die zu diesem Zeitpunkt eine Kindertagesstätte der AWO besuchten. Die damaligen Sprösslinge sind heute im Alter von 25 und 26 Jahren, wie die Autoren berichten.

Die Studie zeigt, dass Kinder, die auf Hartz 4 angewiesen waren, zwar einen schwereren Übergang zum Erwachsenwerden durchstehen mussten, doch die Überwindung der Armut durchaus machbar ist. Dieser Ausstieg aus der Armut gelang zwei Dritteln der Befragten.

Dabei spielt laut Studienautoren die Kraft, sich irgendwann selbst versorgen zu können, eine entscheidende Rolle. Wichtig ist auch, die Unterstützung der Familie, um den Schritt zu schaffen.

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