Der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung

Das Wichtigste zum Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung in Kürze

  • Neben dem Mehrbedarf für Behinderung, Alleinerziehende und Schwangere wird zusätzlich zum Regelsatz ein Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung erbracht.
  • Je nach Krankheitsbild sind dies extra 10 – 20 % des individuellen Regelsatzes.
  • Hingegen wird ein Mehrbedarf bei Laktoseintoleranz in der Regel nicht eingeräumt.

Was umfasst die Leistung und wer hat Anspruch?

Wer auf Arbeitslosengeld 2 angewiesen ist, kann je nach Bedarfslage neben dem monatlichen Regelsatz weitere Zuschüsse geltend machen. Zu diesen Extra-Leistungen gehört, neben Sonderbedarfen und Erstausstattungen etwa, auch der Mehrbedarf für eine spezielle Diät.

Der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung ist für Leistungsberechtigte vorgesehen, welche aufgrund einer chronischen Erkrankung eine besondere Diät pflegen müssen und deshalb finanziell stärker beansprucht sind.
Der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung wird für unterschiedliche Krankheitsbilder erbracht
Der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung wird für unterschiedliche Krankheitsbilder erbracht

Dies steht im Gegensatz zu den Menschen, welche Vollkost konsumieren können – damit sind alle Lebensmittel ohne Einschränkung gemeint.

Die Bezeichnung selbst mag etwas irreführend sein: Zum einen gibt sie keinen genauen Aufschluss über die Krankheiten, welche diese Zusatzzahlung abdeckt, und zum anderen ist – genau genommen – jede Nahrung “kostenaufwändig”.

Die gängige Bezeichnung “Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung” leitet sich aus dem § 21 zweites Sozialgesetzbuch ab, in welchem unter Absatz 5 steht:

Bei Leistungsberechtigten, die aus medizinischen Gründen einer kostenaufwändigen Ernährung bedürfen, wird ein Mehrbedarf in angemessener Höhe anerkannt.

Der grundsätzliche Anspruch auf diese Leistung ist also gesetzlich verankert, jedoch nicht, für welche Krankheitsbilder dies gilt. Als Bewertungsgrundlage dienen deshalb vor allem die “Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Gewährung von Krankenkostzulagen in der Sozialhilfe“.

Für folgende Erkrankungen wird regelmäßig ein Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung anerkannt:

  • Zöliakie/einheimische Sprue: 20 %
  • Niereninsuffizienz mit Dialysediät: 20 %
  • Niereninsuffizienz und eine Behandlung mit eiweißdefinierter Kost: 10 %
  • konsumierende Erkrankungen (AIDS, Tuberkulose etc.): 10 %

Daneben existieren eine Vielzahl von Erkrankungen, welche eine Vollkost nicht ausschließen und für die deshalb keine solche Leistung beantragt werden kann. So wird z.B. für

  • Diabetes (beide Typen)
  • Bluthochdruck
  • Neurodermitis

regelmäßig kein Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung gestattet.

Ist für Laktoseintoleranz auch ein Mehrbedarf zum Hartz 4 vorgesehen?

Bis jetzt gibt es für Laktoseintoleranz keinen Mehrbedarf zum Hartz 4
Bis jetzt gibt es für Laktoseintoleranz keinen Mehrbedarf zum Hartz 4

Dies muss verneint werden – gleichwohl es sicherlich einige Argumente für einen solchen Mehrbedarf gäbe: Wer laktoseintolerant ist, muss schließlich auf eine ganze Reihe an Lebensmitteln verzichten und kann somit keine Vollkost konsumieren. Zudem sind laktosefreie Produkte und etwaige Medikamente auch finanzielle Mehraufwendungen.

Der Versuch, für Laktoseintoleranz und ähnliche Nahrungsmittelintoleranzen – wie etwa Histaminunverträglichkeit – einen Mehbedraf zu beantragen, haben laut dem oben erwähnten Deutschen Verein in den letzen Jahren stark zugenommen. Dennoch ist gerade die Laktoseintoleranz noch nicht in den Katalog der Krankheiten aufgenommen wurden, welche vom Leistungsträger bezuschusst werden. Dies hat damit zu tun, dass die Ernährung bei einer Laktoseunverträglichkeit nicht als “spezielle Diät” begriffen wird.

Im Einzelfall könne solch ein Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung geltend gemacht werden – etwa dann, wenn es sich um einen angeborenen Laktasemangel handle, welcher eine besondere medizinische Behandlung bedürfe. In den meisten Fällen werden solche Ersuchen jedoch abgelehnt.

Möchten Sie den Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung beantragen, ist hierfür extra das Formular “MEB” zusätzlich zum Hartz-4-Antrag vorgesehen. Dem Formular ist ein Bescheinigungsvordruck angefügt, in welchem Ihr behandelnder Arzt/ Ihre behandelnde Ärztin genaue Ausführungen zu der Krankheit und der benötigten Ernährung des Antragstellers machen sollten.

Bildnachweise: Depositphotos.com/ViktoriaSapata, Depositphotos.com/olinchuk

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