Kindergeld: Informationen zu Anspruch, Höhe und Auszahlungsdauer

Alles Wichtige zum Kindergeld in Kürze

  • In Deutschland erhalten leibliche Eltern, Pflegeeltern und Großeltern, die Kinder betreuen, staatliches Kindergeld. Die Auszahlung erfolgt auf Antrag.
  • Bei der Auszahlung von Kindergeld erfolgt eine Staffelung nach Anzahl der Kinder: Das erste und zweite Kind erhalten 194 Euro, das dritte Kind 200 Euro und das vierte und jedes weitere Kind 225 Euro.
  • Je nach Ausbildungsstatus des volljährigen Kindes kann die Zahlung von Kindergeld auch auf das 21. oder sogar das 25. Lebensjahr verlängert werden.

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kindergeld

Die Auszahlung von Kindergeld soll Familien unterstützen
Die Auszahlung von Kindergeld soll Familien unterstützen

Um Eltern zu entlasten und dem Nachwuchs eine finanzielle Unterstützung zu bieten, erhalten Eltern in Deutschland Kindergeld. Es wird bereits ab der Geburt gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden.

Kindergeld wird mindestens bis zur Volljährigkeit erbracht und unter Umständen auch darüber hinaus, um junge Berufsstarter zu unterstützen.

Im Nachfolgenden finden Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund um das Kindergeld und Hinweise zur Antragstellung.

Wer hat Anspruch auf Kindergeld?

Hierzu heißt es im § 62 Abs. 1 Nr. 1 und 2 Einkommensteuergesetz:

(1) Für Kinder im Sinne des § 63 hat Anspruch auf Kindergeld nach diesem Gesetz, wer
1. im Inland einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat oder
2. ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland
a) nach § 1 Absatz 2 unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist oder
b) nach § 1 Absatz 3 als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird.
Voraussetzung für den Anspruch nach Satz 1 ist, dass der Berechtigte durch die an ihn vergebene Identifikationsnummer (§ 139b der Abgabenordnung) identifiziert wird.

Es gilt also: Wer Einkommensteuer in Deutschland zahlt und Nachwuchs zu betreuen hat, der kann Kindergeld beantragen. Dies gilt nicht nur für die eigenen, leiblichen Kinder, sondern für alle Minderjährigen, die im selben Haushalt leben. Auch für Stiefkinder, Pflegekinder und Enkel kann diese Leistung in Anspruch genommen werden. Sofern die Anforderungen erfüllt sind, kann Kindergeld ab der Geburt des Kindes bezogen werden. Ist dem Kind der Aufenthalt seiner Eltern nicht bekannt oder es ist Vollwaise, dann kann es dennoch für sich selbst Kindergeld beziehen.

Kann Kindergeld im Ausland bezogen werden?

Unter gewissen Voraussetzungen kann Kindergeld auch im Ausland bezogen werden
Unter gewissen Voraussetzungen kann Kindergeld auch im Ausland bezogen werden

Ja, das ist durchaus möglich. Wie der obige Auszug verdeutlicht, können auch im Ausland lebende Familien Kindergeld unter bestimmten Voraussetzungen erhalten. Zum einen besteht dann ein Anspruch, wenn zwar im Ausland gelebt, aber im Inland Einkommenssteuer gezahlt wird.

Auch Eltern, die nicht einkommensteuerpflichtig sind, können in bestimmten Fällen dennoch Kindergeld beziehen, z. B. dann, wenn die Eltern

  • als Missionare oder Entwicklungshelfer tätig sind
  • eine Beamtentätigkeit in einer Einrichtung außerhalb Deutschlands ausüben
  • Rente beziehen

Die Kinder selbst müssen entweder in Deutschland oder in einem anderen Land der europäischen Union leben. Eine Ausnahme gilt auch hier für Kinder von Entwicklungshelfern und Missionaren. Dementsprechend wird unter bestimmten Voraussetzungen auch dann Kindergeld gezahlt, wenn das Kind im Ausland lebt. Je nach Konstellation ist es dann mitunter möglich, dass in zwei Staaten ein Anspruch auf Kindergeld bzw. ähnliche Leistungen besteht – auch hier muss fallindividuell geklärt werden, welches Land vorranging zuständig ist.

So hoch fällt das Kindergeld aus!

Beim Kindergeld erfolgt keine Berechnung der Bezüge, sondern eine Staffelung nach Anzahl der Kinder. Das für Sie geltende Kindergeld können Sie der Liste entnehmen:

Anzahl der KinderHöhe des Kindergeldes
1. und 2. Kind 194,00 Euro
3. Kind200,00 Euro
4. Kind225,00 Euro

Wie lange wird Kindergeld gezahlt?

Wie lange gibt es Kindergeld?
Wie lange gibt es Kindergeld?

Grundsätzlich erhalten Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Kindergeld. Bis wann es darüber hinaus gezahlt wird, hängt vom Status des Kindes ab:

  • bei Arbeitslosigkeit: bis zum 21. Lebensjahr
  • bei Ausbildung und Studium: bis zum 25. Lebensjahr

Ist das Kind arbeitslos und es soll (weiterhin) Kindergeld erhalten, dann muss eine Arbeitslosmeldung beim Leistungsträger erfolgen. Dies sollte der Familienkasse in regelmäßigen Abständen nachgewiesen werden, um eine reibungslose Fortzahlung zu garantieren.

Kindergeld während dem Studium zu erhalten, ist im Regelfall unproblematisch – sofern es sich um ein erstes Studium handelt und die Altersgrenze noch nicht überschritten ist. Schwieriger ist es, Kindergeld für ein Zweitstudium zu beantragen; also wenn ein Kind ein Studium beginnt, aber bereits eine Ausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen hat. Dann muss häufig im Einzelfall ermittelt werden, ob die Einkommenssituation des Kindes als schädlich oder unschädlich für das Kindergeld eingestuft wird.

Ob Kindergeld nach der Ausbildung gewährt wird oder nicht, kann nicht pauschal beantwortet werden. Bei Warte- und Überbrückungszeiten (z.B. zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder vor Beginn eines Studiums) spielt das Einkommen der Kinder im Regelfall keine Rolle. Dennoch ist bei solchen Wartezeiten meist eine Höchstförderungsdauer von vier Monaten angesetzt.

Ist das Kind behindert und gilt als hilflos (nicht fähig, sich selbst zu versorgen), dann ist es mitunter möglich, dass Kindergeld altersunabhängig weitergezahlt wird. Tritt die Behinderung des Kindes jedoch erst nach der Vollendung des 25. Lebensjahres ein, dann ist ein weiterer Bezug im Regelfall hingegen nicht möglich.

Schädlicher und nicht schädlicher Erwerb – was ist damit gemeint?

Kindergeld wird nicht für alle Studenten erbracht
Kindergeld wird nicht für alle Studenten erbracht

Haben volljährige, leistungsberechtigte Kinder eine Arbeit, dann wird von einem für das Kindergeld schädliche und einem unschädlichen Erwerb unterschieden. Wird die Tätigkeit als schädlich eingestuft, dann wird in der Regel gar kein Kindergeld gezahlt – Kürzungen sind also nicht üblich, sondern Leistungen werden komplett gestrichen.

Ist das Kind arbeitsfähig und geht einem Erwerb nach, hat dies also nicht immer Einfluss auf das Kindergeld. Ob und wie lange Kindergeld dann gezahlt wird, ist dann auch davon abhängig, ob die ausgeübte Tätigkeit als unschädlich für einen Kindergeld-Bezug angesehen wird.

Solche unschädlichen Beschäftigungen umfassen zum Beispiel:

  • Mini-Jobs
  • Erwerbstätigkeiten, die Teil der jeweiligen Ausbildung sind
  • Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von gleich oder weniger 20 Stunden

Gibt es beim Kindergeld eine Einkommensgrenze?

Nein. Es existiert keine Einkommensgrenze für einen Kindergeld-Bezug, weder für Eltern noch für Kinder selbst. Die Leistung wird im Regelfall einkommensunabhängig ausgezahlt. Noch vor dem Jahr 2012 war es üblich, das Einkommen des volljährigen Kindes anzurechnen; dies ist jedoch weggefallen. Fortan ist für das Kindergeld kein Freibetrag mehr eingeräumt, stattdessen wird jetzt in für das Kindergeld schädliche und nicht-schädliche Tätigkeiten unterschieden.

Neben dem Kindergeld ist es für Eltern weiterhin möglich, den Kinderfreibetrag zu erhalten. Im Gegensatz zu den monatlichen Zahlungen des Kindergeldes handelt es sich bei dem Kinderfreibetrag um eine Summe, die bei der Steuererklärung gebündelt abgesetzt werden kann. Es kann nur eine der beiden Leistungen in Anspruch genommen werden. Ob sich gemessen am Jahreseinkommen eher das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag rechnet, können Erziehungsberechtigte durch eine Günstigerprüfung beim zuständigen Finanzamt ermitteln lassen.

So stellen Sie einen Antrag

Grundsätzlich ist die Familienkasse für das Kindergeld zuständig
Grundsätzlich ist die Familienkasse für das Kindergeld zuständig

Die Leistung wird nicht automatisch erbracht. Leistungsberechtigte müssen einen Antrag auf Kindergeld bei einer Familienkasse stellen. Welche Familienkasse für einen selbst zuständig ist, richtet sich nach Bundesland und konkretem Wohnort.

Eine Ausnahme besteht, wenn der Arbeitgeber der/des Erziehungsberechtigten ein öffentlicher Dienst ist. Kindergeld wird dann nicht bei der Krankenkasse beantragt, sondern beim Dienstherren bzw. Arbeitgeber.

Für den Antrag sind spezielle Formulare vorgesehen, welche Sie online herunterladen und ausfüllen können. Dies sind zum einen der Hauptantrag selbst und die „Anlage Kind“, welche im Regelfall für jedes leistungsberechtigte Kind auszufüllen ist:

Für den Antrag muss, neben persönlichen Details, die steuerliche Identifikationsnummer angegeben werden. Außerdem bedarf es einer persönlichen Unterschrift, da der Antrag sonst nicht offiziell ist. Wurde der Antrag eingesandt, durchgesehen und bewilligt, dann erhalten Leistungsberechtigte eine Kindergeldnummer. Diese ändert sich im Normalfall nicht und sollte bei Rückfragen stets mit angegeben werden, da so eine Zuordnung und Bearbeitung leichter fällt.

Kindergeld: Hinweise zur Auszahlung

Im Regelfall wird Kindergeld monatlich erbracht. Den konkreten Auszahlungstermin vom eigenen Kindergeld können Sie an der letzten Ziffer Ihrer Kindergeldnummer ablesen. Hier kann sich die Faustregel gemerkt werden: Je höher die Zahl, desto später die Auszahlung im Monat.
Wann das Kindergeld für Hartz-4-Empfänger kommt, können Sie der Endziffer Ihrer Kindergeldnummer entnehmen
Wann das Kindergeld für Hartz-4-Empfänger kommt, können Sie der Endziffer Ihrer Kindergeldnummer entnehmen

Haben Sie die Endziffer null, können Sie davon ausgehen, dass eine Auszahlung eher Anfang des Monats erfolgt. Hingegen sind die Auszahlungstermine bei der Endziffer neun eher Richtung Ende des Monats gelegt.

Kindergeld kann auch rückwirkend bezogen werden. Seit Januar 2018 gilt hierfür eine Grenze von sechs Monaten. Das bedeutet, dass Leistungen höchstens für ein zurückliegendes halbes Jahr ausgezahlt werden – auch wenn davor ein Anspruch bestanden haben mag. Vor dieser Änderung war es möglich, eine Kindergeld-Nachzahlung von bis zu vier Jahren rückwirkend zu erhalten.

Haben Sie Ihr Kindergeld nicht bekommen, obwohl Sie einen Anspruch nachgewiesen haben, ist dies meist kein Grund zur Panik. In solch einem Fall sollten Sie sich als erstes mit der zuständigen Familienkasse auseinandersetzen und erfragen, woran die Verzögerung liegt. Oft handelt es sich um fehlende Nachweise oder einen Bearbeitungsstau.

Unter der gebührenfreien Service-Rufnummer 0800 4 555530 der Familienkasse können Sie allgemeine Fragen rund um das Kindergeld stellen.

Bildnachweise: fotolia.com/Maria Sbytova, fotolia.com/js-photo, fotolia.com/Sashkin, fotolia.com/zinkevych, fotolia.com/sepy, istockphotos.com/BrianAJackson

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