Als Hartz-4-Empfänger einen Umzug durchführen: Was gilt es zu beachten?

Das Wichtigste zum Umzug bei Hartz-4-Bezug in Kürze

  • Auch Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) können einen Umzug durchführen. Es ist allerdings wichtig, dass eine Umzugsgenehmigung vom Jobcenter vorliegt.
  • In § 22 Sozialgesetzbuch II (SGB II) werden der Umzug bzw. die geltenden rechtlichen Bestimmungen diesbezüglich definiert. Dort ist beispielsweise auch geregelt, dass ein Umzug bei Hartz-IV-Bezug per Umzugshilfe vom Jobcenter unterstützt werden muss, wenn dieses vorab die Zusicherung für den Wohnungswechsel erteilt hat.
  • Führt ein Hartz-IV-Empfänger den Umzug ohne vorherige Genehmigung aus, übernimmt das Jobcenter nur die Mietkosten, welche auch für die alte Wohnung gezahlt wurden. Umzugshilfe vom Jobcenter gibt es in diesem Fall nicht. Bei unter 25-Jährigen Leistungsempfängern kann ein Wohnungswechsel ohne Zustimmung dazu führen, dass diese ihren Hartz-4-Anspruch komplett verlieren.

Darf ein Hartz-4-Empfänger umziehen?

Hartz 4 beziehen und Umzug durchführen: Geht das?
Hartz 4 beziehen und Umzug durchführen: Geht das?
Die Hartz-4-Leistungen umfassen nicht nur den Regelsatz, welcher beispielsweise den Einkauf von Lebensmitteln abdeckt, sondern auch Bedarfe für Unterkunft und Heizung. Die Wohnung, welche ein Hartz-4-Empfänger anmietet, muss dabei stets angemessen sein.

Die Angemessenheit richtet sich maßgeblich nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder. Für eine Person gilt beispielsweise ein Wohnraum von 50 Quadratmetern als angemessen. Wie hoch die Miete in diesem Fall ausfallen darf, unterscheidet sich je nach Stadt und Region.

Der Richtwert für die Bruttokaltmiete bemisst sich nämlich am örtlichen Mietspiegel. Da die Wohnungspreise in Deutschland stark unterschiedlich sind, lässt sich also keine pauschale Aussage treffen, welcher Mietpreis für einen ALG-2-Beziehenden angemessen ist.

Doch wie verhält es sich, wenn der Hartz-4-Empfänger einen Umzug durchführen möchte? Dies ist grundsätzlich möglich. Damit eine Zusicherung vom Jobcenter für den Wohnungswechsel erfolgt, müssen triftige Gründe vorliegen. Welche dies sein können, erfahren Sie im folgenden Textabschnitt.

Wichtig: Ein Umzug ist trotz ALG-2-Bezug möglich! Wichtig ist, dass Sie schriftlich die Zusicherung des zuständigen Jobcenters einholen.

Bei Bezug von Hartz 4: Wichtige Umzugsgründe

Eine Umzugsgenehmigung ist für Hartz-4-Empfänger unerlässlich.
Eine Umzugsgenehmigung ist für Hartz-4-Empfänger unerlässlich.
Die eigenen vier Wände sollten für jeden Menschen ein Ort des Rückzugs und der Erholung sein. Eine nette Nachbarschaft trägt in aller Regel auch zum Wohlbefinden bei. Da Hilfebedürftige die Wohnung vom Jobcenter finanziert bekommen, ist für Hartz-4-Empfänger ein Umzug ohne Zustimmung nicht immer möglich.

Es gibt allerdings Fälle, in denen eine Umzugsgenehmigung in aller Regel nicht verwehrt werden kann. Dies sind beispielsweise:

  • Arbeitsaufnahme in einer anderen Stadt
  • Vergrößerung der Familie bzw. Bedarfsgemeinschaft
  • Fristgerechte Kündigung durch den aktuellen Vermieter
  • Gesundheitliche Probleme, die für den Hartz-4-Empfänger einen Umzug erforderlich machen
  • Drastische Veränderungen der Lebenssituation (zum Beispiel durch eine Trennung/Scheidung)
  • Schimmelbefall oder andere Umstände, welche die aktuelle Bleibe unbewohnbar machen

Liegt einer der beschriebenen Umstände vor, wird dem Umzug bei einem ALG-2-Empfänger in aller Regel zugestimmt. Lassen Sie sich die Zusicherung immer schriftlich geben, so können Sie im Zweifelsfall immer beweisen, dass der Wohnungswechsel mit Genehmigung durchgeführt wurde.

Übrigens: Ein Umzug kann gemäß SGB II auch vom Jobcenter angeordnet werden. Dies ist in aller Regel der Fall, wenn die aktuelle Wohnung als nicht angemessen gilt. Dann wird ein Kostensenkungsverfahren eingeleitet. Der Betroffene muss in einem vorab festgelegten Zeitraum die Wohnkosten entweder durch Umzug oder Untervermietung reduzieren. Löst der Hartz-4-Empfänger das Problem durch einen Wohnungswechsel, ist in jedem Fall die Zustimmung des Jobcenters gegeben.

Umzug mit Hartz 4 stemmen: Gibt es beim Wohnungswechsel durch das Jobcenter Umzugshilfe?

Einen Umzug trotz Hartz-4-Bezug durchzuführen, kann zu einer großen finanziellen Belastung werden, reicht der Regelsatz doch so in den meisten Fällen schon gerade einmal für das Nötigste aus. Ein Umzugsgeld vom Jobcenter gibt es zwar nicht, aber verschiedene Formen der Umzugshilfe für Hartz-4-Beziehende. § 22 Absatz 6 SGB II regelt diesbezüglich Folgendes:

Wohnungsbeschaffungskosten und Umzugskosten können bei vorheriger Zusicherung durch den bis zum Umzug örtlich zuständigen kommunalen Träger als Bedarf anerkannt werden; Aufwendungen für eine Mietkaution und für den Erwerb von Genossenschaftsanteilen können bei vorheriger Zusicherung durch den am Ort der neuen Unterkunft zuständigen kommunalen Träger als Bedarf anerkannt werden. Die Zusicherung soll erteilt werden, wenn der Umzug durch den kommunalen Träger veranlasst oder aus anderen Gründen notwendig ist und wenn ohne die Zusicherung eine Unterkunft in einem angemessenen Zeitraum nicht gefunden werden kann. Aufwendungen für eine Mietkaution und für Genossenschaftsanteile sollen als Darlehen erbracht werden.

Dies umschließt als Unterstützung für einen Hartz-4-Empfänger beim Umzug beispielsweise einen Zuschuss zur Beschaffung von Umzugskartons oder der Anmietung eines Kfz zum Transport. Ein Kostenübernahme für ein Umzugsunternehmen erfolgt in aller Regel nicht.

Gut zu wissen: Nicht nur der Umzug kann bei Arbeitslosengeld-2-Bezug finanziell durch das Jobcenter unterstützt werden, auch für die Wohnungssuche werden Bedarfe anerkannt.

Trotz Hartz-4-Bezug den Umzug angehen: Jobcenter kann Darlehen für Mietkaution bewilligen

Wer als Hartz-4-Empfänger einen Umzug vor sich hat, fragt sich nicht selten „Zahlt das Jobcenter beim Umzug die Mietkaution?“. Betroffene können in aller Regel ein Darlehen beantragen, um die Mietkaution zu begleichen.

Es handelt sich dabei um einen zinslosen Kredit, den der Leistungsempfänger zurückzahlen muss. Zu diesem Zweck behält das Jobcenter bis zur Tilgung der Schulden zehn Prozent vom maßgebenden Regelsatz des Betroffenen ein.

Wann kann das Jobcenter für einen Umzug die Genehmigung verwehren?

Das Jobcenter soll den Umzug unterstützen, wenn eine Genehmigung vorliegt.
Das Jobcenter soll den Umzug unterstützen, wenn eine Genehmigung vorliegt.
Es kann auch vorkommen, dass beim Bezug von Arbeitslosengeld 2 der Umzug abgelehnt wird. Dies ist möglich, wenn die neue Wohnung, welche bezogen werden soll, deutlich teurer ist als die alte Bleibe und keine triftigen Gründe für den Wohnungswechsel vorgewiesen werden können.

Wird die Zusicherung verwehrt, können Betroffene Widerspruch gegen die Entscheidung des Jobcenters einlegen. Die Entscheidung muss dann noch einmal überprüft werden. Wird der Widerspruch abgelehnt, obwohl für den Hartz-4-Empfänger ein Umzug notwendig ist, empfiehlt es sich, einen Anwalt für Sozialrecht zu konsultieren.

Dieser kann Betroffene umfassend beraten, welche weiteren Schritte eingeleitet werden können. Hilfebedürftige haben in aller Regel nicht genug Rücklagen, um den Rechtsbeistand entlohnen zu können. Daher besteht oft ein Anspruch auf die sogenannte Beratungshilfe.

Trotz Hartz 4 einen Umzug ohne Genehmigung vollziehen: Mögliche Folgen

Was passiert nun aber, wenn ein Umzug vom Hartz-4-Empfänger ohne Zustimmung einfach durchgeführt wird? Grundsätzlich kann niemand an einem Wohnungswechsel gehindert werden, allerdings werden für die neue Bleibe nur die Mietkosten übernommen, die auch bei der alten Wohnung verursacht wurden. Ist der Betrag höher, muss die Differenz aus eigener Tasche beglichen werden.

Zudem hat der Hartz-4-Beziehende beim Umzug ohne Genehmigung keinerlei Anspruch auf Umzugshilfe. Auch der Antrag für ein Darlehen zur Begleichung der Mietkaution wird in aller Regel nicht bewilligt, wenn keine Zustimmung zum Wohnungswechsel vorliegt.

Achtung: Für ALG-2-Beziehende unter 25 gelten bei einem Umzug besondere Regeln. Erfolgt dieser nämlich ohne entsprechende Umzugsgenehmigung, können die kompletten Hartz-4-Leistungen gestrichen werden.

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