Arbeit der Tafel in Deutschland: Hilfe für Bedürftige

Das Wichtigste zur Tafel in Kürze

  • Die Tafel ist eine wichtige Anlaufstelle für Bedürftige. Wer nachweislich über wenig Einkommen verfügt, kann die Angebote der einzelnen Tafeln in Deutschland in Anspruch nehmen.
  • Die Tafel ist hauptsächlich für die Weitergabe von Lebensmitteln, die woanders aussortiert wurden, bekannt. Allerdings bieten einige Einrichtungen auch einen Verkauf von Kleidung oder Möbeln sowie Nachhilfeunterricht für Schüler an.
  • Die einzelnen Tafeln, welche kommunal agieren und unter dem Bundesverband Tafel Deutschland e.V. organisiert werden, finanzieren sich ausschließlich über Spenden. Die gemeinnützigen Organisationen sind daher auch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen.

Was ist die Tafel?

Die Tafel ist für die Weitergabe von Lebensmitteln an Bedürftige bekannt.
Die Tafel ist für die Weitergabe von Lebensmitteln an Bedürftige bekannt.
Die Bezeichnung Tafel wird für gemeinnützige Hilfsorganisationen genutzt, welche im Bundesverband Deutsche Tafel e.V. organisiert sind. Seit 1993 bieten die Tafeln in Deutschland eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die über ein geringes Einkommen verfügen.

Es handelt sich bei der Tafel um einen großen Akteur im Bereich der sozialen Arbeit. Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in der Hauptstadt Berlin gegründet. Im Gegensatz zur Caritas oder der Arbeiterwohlfahrt ist die Organisation also noch nicht von einer Jahrzehnte langen Geschichte im Bereich der Sozialarbeit geprägt.

Dennoch hat sich die Tafel im Laufe der Jahre immer weiter vergrößert und agiert deutschlandweit. Die Organisation finanziert sich ausschließlich über Spenden und ist somit nicht staatlich gefördert oder ähnliches.

Gut zu wissen: Der Begriff „Tafel“ ist nicht geschützt. Es können also auch andere Organisationen diesen Namen verwenden. Seit 2006 gibt es den Tiertafel Deutschland e. V. Es handelt sich um eine Anlaufstelle für hilfebedürftige Tierbesitzer. Diesen wird durch Sachleistungen und Beratung vor Ort geholfen. Es besteht keine Verbindung zum Bundesverband Deutsche Tafel e.V.

Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. legt den Grundstein

Wie bereits erwähnt, agiert die Tafel deutschlandweit. Um die Interessen aller Organisationen zu bündeln und Abläufe koordinieren zu können, wurde 1995 der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. gegründet.

Dieser dient quasi als Service-Zentrale für alle Hilfsorganisationen die unter dem Namen der Tafel agieren und vertritt deren Interessen auf nationaler sowie internationaler Ebene. Auch die „Tafel-Idee“ und die dazugehörigen Werte sollen über den Dachverband nach außen getragen werden. Diese Werte werden wie folgt beschrieben:

Die Tafeln stehen für Humanität, Gerechtigkeit und Solidarität. Sie übernehmen soziale Verantwortung und setzen sich für nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ein. An diesen verbindlichen Werten orientieren sich die Mitglieder der Tafel Deutschland ebenso wie der Verband selbst – ein verlässliches Qualitätsmerkmal für alle, die mit uns zu tun haben.

Quelle: www.tafel.de

Die Tafel in Deutschland: Die Grundsätze

Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. legt verbindliche Grundsätze für alle gemeinnützigen Organisationen, die dem Dachverband angehören möchten, fest. Der Präambel dieser Grundsätze ist auch der Kern der Arbeit der Tafeln zu entnehmen:

Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot – und doch gibt es Lebensmittel im Überfluss. Die Tafeln in Deutschland bemühen sich hier um einen Ausgleich. Ziel der Tafeln ist es, qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, an Menschen in Not zu verteilen.

Quelle: www.tafel.de

Angebote der Tafel: Auch Hartz-4-Empfänger können diese nutzen.
Angebote der Tafel: Auch Hartz-4-Empfänger können diese nutzen.
Dieser Teil der sozialen Arbeit von der Tafel ist wohl auch der bekannteste: Es werden Lebensmittel, die anderorts ausrangiert wurden, gesammelt und an Bedürftige abgegeben. Zu den Grundsätzen der Tafel gehört auch, dass diese Lebensmittelausgabe unter Beachtung der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und des Infektionsschutzgesetzes vollzogen wird.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz der Tafel ist, dass die Arbeit grundsätzlich auf ehrenamtlicher Basis beruht. Auch die Lebensmittelausgabe soll, wenn überhaupt, nur gegen einen kleinen Obolus erfolgen.

Grundsatz 4 hebt noch einmal hervor, dass die Hilfsangebote der Tafel für jeden Menschen zugänglich sein sollen:

Die Tafeln arbeiten unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen. Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Quelle: www.tafel.de

Wie viele Tafeln in Deutschland gibt es?

Nach Angaben des Dachverbandes agieren in Deutschland über 930 Tafeln regional. Die Arbeit der einzelnen Tafeln erfolgt dabei in aller Regel mit lokalem Bezug. Der Gebietsschutz wird respektiert, sodass keine Konkurrenzsituation untereinander entstehen kann.

Wie finanziert die deutsche Tafel ihre Arbeit?

Grundsätzlich finanziert sich die Tafel über Spenden. Dabei kann es sich sowohl um Lebensmittel als auch um andere Sachspenden handeln. Zudem ist die Hilfsorganisation auch auf Geldspenden angewiesen.

Schließlich müssen laufende Kosten gedeckt werden. Dies betrifft unter anderem Miete, Anschaffungskosten für Fahrzeuge oder Reparaturen. Spenden an die Tafel (egal ob Lebensmittel, Geld oder andere Dinge) kommen sowohl von Privatleuten als auch von Unternehmen.

Der Bundesverband für Tafeln setzt in Bezug auf Spenden auf Transparenz. So werden sämtliche Partner aufgelistet. Als die vier Hauptpartner treten die Metro AG, Lidl, die Rewe Group sowie Mercedes-Benz in Erscheinung.

Zudem arbeitet die Tafel seit einigen Jahren mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zusammen. Zu den größeren Projekten der Zusammenarbeit gehört beispielsweise „Zu gut für die Tonne“. Es handelt sich dabei um eine Informationskampagne gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln.

Spenden an die Tafel sind immer willkommen: So werden Sie aktiv

Doch auch jeder Cent oder jede Sachspende, welche von Privatpersonen kommt, zählt. Möchten sie selbst die Tafel aktiv unterstützen, können Sie auf ein eigens dafür eingerichtetes Spendenkonto Geld überweisen. Dies kann im monatlichen Rhythmus erfolgen, aber auch eine einmalige Spende ist möglich.

Haben Sie Sachspenden, sollten Sie sich mit der Tafel vor Ort absprechen. Häufig fehlen Kapazitäten, um Waren lange Zeit zu lagern, sodass eine Absprache essentiell ist. In einigen Fällen ist es auch möglich, dass Tafelmitarbeiter Spenden (gerade Möbelstücke) bei Ihnen abholen.

Mitarbeiter bei der Tafel werden

Tafel: Die Mitarbeiter arbeiten in aller Regel ehrenamtlich und erhalten keine Bezahlung.
Tafel: Die Mitarbeiter arbeiten in aller Regel ehrenamtlich und erhalten keine Bezahlung.
Laut eigenen Angaben arbeiten täglich über 60.000 Helfer und Helferinnen bei der Tafel. Es handelt sich dabei in aller Regel um ehrenamtlich Tätige, die ihre Freizeit in die Projekte der Hilfsorganisation investieren. Dabei gilt immer der Grundsatz „Jeder gibt, was er kann“.

Es braucht nicht nur Helfer an den Lebensmittelausgaben, auch andere Tätigkeiten, wie beispielsweise die Arbeit im Lager, in der Verwaltung, als externer Berater, bei der Organisation von Veranstaltungen, bei der Gestaltung von Informationsmaterial, als Übersetzer und als Reinigungskraft werden benötigt.

Um bei der Tafel als ehrenamtlicher Helfer eingestellt zu werden, müssen Sie in aller Regel keine besonderen Voraussetzungen erfüllen. Sie können sich direkt bei einer nahegelegenen Tafel erkundigen, ob Hilfe benötigt wird. Das Bewerbungsverfahren läuft meist schnell und unkompliziert ab.

Grundsätzlich erfolgt die Arbeit bei der Tafel unentgeltlich. Allerdings beschäftigt die Hilfsorganisation in der Verwaltung auch einige wenige Vollzeitarbeitskräfte.

Wer darf zur Tafel gehen?

Die Tafel dient als Anlaufstelle für Bedürftige. Doch wer gilt eigentlich als hilfebedürftig? Grundsätzlich trifft dies auf alle Menschen zu, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Das können sowohl Hartz-4-Empfänger sein als aus Menschen, die einer Arbeit nachgehen, bei der sie wenig verdienen. Auch Empfänger von Sozialhilfe kommen in Betracht.

In den letzten Jahren geht der Trend auch vermehrt dahin, dass immer mehr Rentner die Tafel aufsuchen müssen, da die Grundsicherung nicht mehr ausreicht. Wer bei der Tafel einkaufen möchte, muss in aller Regel die eigene Bedürftigkeit nachweisen.

Hartz-4-Empfänger können diesen Nachweis beispielsweise durch Vorlage vom Hartz-4-Bescheid erbringen. Bei Rentnern reicht in aller Regel der Rentenbescheid aus. Ist ein Hilfebedürftiger einmal registriert, muss das Nachweisdokument nicht bei jedem Besuch der Tafel erneut vorgezeigt werden.

Ein Nachweis der Hilfebedürftigkeit muss bei der Tafel erbracht werden, damit dieses Angebot auch wirklich an bedürftige Menschen geht, für die es oft keine andere Möglichkeit gibt, über die Runden zu kommen.

Was bekommt man bei der Tafel?

Einige Menschen scheuen sich, die Angebote der Tafel in Anspruch zu nehmen und essen am Monatsende lieber nur noch trockenes Toast. Allerdings hat die Hilfsorganisation in einigen Regionen weitaus mehr zu bieten als den bloßen Lebensmittelverkauf.

Einige Mitglieder des Bundesverbandes engagieren sich auch verstärkt in der Jugendhilfe. So bieten einige Tafeln eine warme Mahlzeit für Kinder und Jugendliche an und bearbeiten im Anschluss gemeinsamen die Hausaufgaben.

Auch die Integration von Flüchtlingen liegt der Tafel sehr am Herzen. Daher bietet sie in den letzten Jahren vermehrt Sprachkurse und andere Hilfen für Menschen an, die neu nach Deutschland gekommen sind.

Durch das vielfältige Angebot der Tafel entstehen viele Stellen, die durch ehrenamtliche Helfer besetzt werden müssen. Daher ist die Hilfsorganisation auf freiwillige Helfer angewiesen, die sie bei der Arbeit unterstützen.

Lebensmittel, Kleidung und Co.

Wer kann zur Tafel gehen?
Wer kann zur Tafel gehen?
Kernpunkt der Tafelarbeit, welcher diese Hilfsorganisation in kurzer Zeit so populär gemacht hat, ist die Lebensmittelausgabe. In den Grundsätzen, welche vom Dachverband ausgegeben werden, lassen sich genaue Durchführungsbestimmungen gemäß Grundsatz 1 finden:

  • Die Tafeln können auch Artikel des täglichen Bedarfs ausgeben.
  • Der Schwerpunkt muss auf dem Einsammeln und Ausgeben von Lebensmitteln liegen.
  • Die Abgabe erfolgt unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag. Notwendige Kostenbeiträge sollen so gering wie möglich sein. Der Kostenbeitrag muss sich einerseits am sozialen Auftrag der Tafeln und andererseits an der prekären Situation der Empfängerinnen und Empfänger unserer Leistungen orientieren.
  • Die Ermittlung der Bedürftigkeit orientiert sich an der Abgabenordnung § 53 unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und wird von jeder Tafel individuell festgelegt.
  • Die Abgabe der Lebensmittel erfolgt unter Beachtung der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) und des Infektionsschutzgesetzes.

Quelle: www.tafel.de

Jedoch gibt es nicht nur Privatpersonen und Unternehmen, die der Tafel Essen spenden. Es gehen auch viele Sachspenden wie beispielsweise Kleidung oder Möbel bei der Organisation ein. In einigen Regionen werden diese gegen einen geringen Obolus an Bedürftige abgegeben.

Essenstafel: Eine warme Mahlzeit für Bedürftige

Nicht nur der „Verkauf“ bzw. die Abgabe von Lebensmitteln wird durch die Tafel betrieben. In einigen Regionen haben sich auch sogenannte „Essentafeln“ etabliert. Dort erhalten Bedürftige eine warme Mahlzeit.

Häufig ist dieses Angebot noch mit anderen verknüpft. Gerade für Kinder gibt es oft die Möglichkeit, nach einem gemeinsamen Essen noch Freizeitaktivitäten auszuüben oder Hilfe bei den Hausaufgaben zu erhalten.

Die Frage „Was gibt es bei der Tafel?“ lässt sich pauschal nicht beantworten, da die Angebote regional stark voneinander abweichen können. Vor Ort können Sie in Erfahrung bringen, was angeboten wird. Zudem ist es in aller Regel möglich, telefonisch oder per E-Mail mit der Tafel in Kontakt zu treten.

Die Essener Tafel sorgt für Aufregung

Die Angebote der Tafel sind für bedürftige Menschen gedacht.
Die Angebote der Tafel sind für bedürftige Menschen gedacht.
Anfang des Jahres 2018 machte die Essener Tafel unfreiwillig Schlagzeilen. Es wurde ein Aufnahmestopp für Ausländer angeordnet. Begründet wurde die Maßnahme mit einer hohen Nachfrage, der nicht nachgekommen werden konnte.

Tafeln in anderen Städten hatte auf diese Anordnung mit viel Unverständnis reagiert. Die Essener Tafel argumentierte aber, dass sich viele ältere Frauen und alleinerziehende Mitglieder von einzelnen Migranten bedroht gefühlt hätten.

Auch in der Politik wurde die Sache heftig diskutiert und stieß sogar eine Debatte über das Thema „Armut“ an. Schließlich konnte die Essener Tafel die Engpässe überwinden und nimmt seit dem 11.4.2018 auch wieder Ausländer als „Neukunden“ auf.

Allerdings scheint die Essener Tafel anhaltende Probleme zu haben, genügend Spenden zu sammeln. Am 18.05.2018 wurde bekannt, dass ein erneuter Aufnahmestop verhängt wurde. Betroffen sind diesmal aber nicht Ausländer, sondern Singles unter 50 Jahren und Paare ohne Kinder. Wie lange diese Regelung nun anhalten soll, steht bis dato noch aus.

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