Hartz-4-Regelsatz: Wie die Berechnung erfolgt

Das Wichtigste zum Thema „Hartz-4-Regelsatz und dessen Berechnung“ in Kürze

  • Im Normalfall meint der „Regelbedarf“ die gesetzlich festgelegte, monatliche Förderung einer bestimmten Personengruppe und der „Regelsatz“ die individuelle Förderung. Häufig werden die Begriffe jedoch deckungsgleich verwendet.
  • Der Regelbedarf, welcher fortlaufend an aktuelle Lebensbedingungen angepasst wird, wird durch das Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz bestimmt und teilt sich prozentual in verschiedene Ausgaben auf.
  • Für die Berechnung von einem Hartz-4-Regelsatz werden die soziale Situation des Leistungsempfängers, dessen besondere Bedürfnisse und das abzusetzende Einkommen betrachtet.

Arbeitslosengeld 2 wird fallindividuell ermittelt

Der Regelsatz beim Hartz-4-Bezug: Die Berechnung erfolgt anhand persönlicher Umstände
Der Regelsatz beim Hartz-4-Bezug: Die Berechnung erfolgt anhand persönlicher Umstände

Bedürftige, erwerbsfähige Bürger, die ihren Lebensunterhalt temporär nicht ohne Hilfe bestreiten können, werden durch das Arbeitslosengeld 2 – umgangssprachlich Hartz 4 – abgesichert.

Neben der Übernahme von Miet- und Heizkosten wird Leistungsbeziehenden monatlich ein bestimmter Betrag überwiesen, über welchen sie verfügen können. Dieser ist jedoch nicht für jeden gleich. Für die Ermittlung von einem bestimmten Hartz-4-Regelsatz wird eine Berechnung nötig, welche individuelle Umstände berücksichtigen soll. Wie diese vonstatten geht und was Leistungsberechtigte wissen sollten, ist im Nachfolgenden für Sie zusammengefasst.

Regelsatz oder Regelbedarf – gibt es einen Unterschied?

Geht es um den Hartz-4-Regelsatz und dessen Berechnung, dann wird der bereits erwähnte Regelbedarf häufig gleichbedeutend mit diesem verwendet. Ganz genau genommen unterscheiden sich die Begriffe jedoch.

Der Regelbedarf meint eigentlich den Lebensunterhalt, welcher einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe monatlich per Gesetz zugestanden wird. Mit Regelsatz ist hingegen eine Geldpauschale gemeint, welche für diesen Bedarf aufkommen soll; meist wird der Begriff jedoch für die individuellen, monatlich erbrachten Leistungen verwendet.

Hat eine Person vollen Anspruch auf eine bestimmte Regelbedarfsstufe und erhält sonst keine Zuschüsse, dann sind Regelbedarf und eigener Regelsatz im Normalfall deckungsgleich. Mitunter besteht jedoch Anspruch auf zusätzliche Leistungen, weshalb der Regelsatz höher als die Bedarfsstufe sein kann. Andersherum ist es auch möglich, Hartz 4 als aufstockende Leistung zu beziehen; dann wird nur ein anteiliger Regelsatz anerkannt.

Bei der Ermittlung von einem Hartz-4-Regelsatz berücksichtigt die Berechnung zudem Einkommen verschiedener Art. Nebenjobs, Einnahmen aus Verpachtungen, Kindergeld und andere Werte werden nämlich mit den ermittelten Leistungen verrechnet. Bei einem Antrag auf Hartz 4 sind deshalb alle Arten von Einkommen anzugeben; tun Sie das nicht und erhalten zu viel Geld, dann drohen Rückzahlungen und Sanktionen!

Welche Regelbedarfsstufe gilt für mich?

Bei einem Bezug von Hartz 4 erfolgt die Berechnung vom Regelsatz also zuvorderst auf der Grundlage der eigenen Regelbedarfsstufe. Der Begriff Regelbedarf bezeichnet den mindesten notwendigen monatlichen Lebensunterhalt, welcher benötigt wird, um ein Leben in Würde führen zu können. Zu diesem festgelegten Regelbedarf können, je nach den individuellen Voraussetzungen, dann noch andere Leistungen hinzukommen, welche in der Gänze dann den individuellen Hartz-4-Regelsatz ergeben.

Die Berechnung berücksichtigt dabei vor allem die soziale (Wohn-)Situation. Insgesamt werden sechs Regelbedarfsstufen unterschieden:

RegelbedarfsstufeLeistungsberechtigteaktueller Regelsatz [2018]
1Alleinstehende, Alleinerziehende416 €
2Paare je Partner in einer Bedarfsgemeinschaft374 €
3nicht erwerbstätige Erwachsene unter 25 Jahren im Haushalt der Eltern332 €
4Kinder von 14 bis 17 Jahren316 €
5Kinder von 6 bis 13 Jahren296 €
6Kinder unter 6 Jahren240 €

Wie der Tabelle entnommen werden kann, wird einer alleinstehenden und/oder alleinerziehenden Person grundsätzlich mehr Bedarf zugestanden als solchen Leistungsberechtigten, die mit einem Partner oder Familienmitglied in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft zusammenleben. Dies kommt dadurch zustande, dass bei einem gemeinsamen Wirtschaften von einer Kostenaufteilung ausgegangen werden kann.

Die Höhe des Regelbedarfs ist gesetzlich festgelegt

Die Berechnung für einen Regelsatz des Hartz 4 wird durch das RBEG bestimmt
Die Berechnung für einen Regelsatz des Hartz 4 wird durch das RBEG bestimmt

Der Hartz-4-Regelsatz und dessen Berechnung anhand des Regelbedarfes erfolgt keinesfalls willkürlich. Die zugrundeliegenden Bedarfsstufen sind u. a. im „Gesetz zur Ermittlung der Regelbedarfe nach § 28 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuches“, kurz Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz oder RBEG, festgelegt. Diese bleiben jedoch nicht unverändert, sondern passen sich der Preisentwicklung, Nettoeinkommen und anderen relevanten Faktoren an, indem regelmäßig eine bundesweite Einkommens- und Verbrauchsstichprobe durchgeführt wird.

Das Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz dient neben den Leistungen der Sozialhilfe auch für den Hartz-4-Regelsatz als Berechnungsgrundlage. So heißt es in § 20 Abs. 1a Satz 1 des zweiten Sozialgesetzbuches, welches die Grundsicherung für Arbeitssuchende reglementiert:

Der Regelbedarf wird in Höhe der jeweiligen Regelbedarfsstufe entsprechend § 28 des Zwölften Buches in Verbindung mit dem Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz und den §§ 28a und 40 des Zwölften Buches in Verbindung mit der für das jeweilige Jahr geltenden Regelbedarfsstufen-Fortschreibungsverordnung anerkannt.

Der Hartz-4-Regelsatz: Aufschlüsselung der einzelnen Bereiche

Für die Ermittlung von einem Hartz-4-Regelsatz wird der Berechnung also die jeweilige Regelbedarfsstufe zugrunde gelegt. Wie bereits erwähnt, wird diese anhand der Preisentwicklungen, Verbraucherverhalten etc. vom Statistischen Bundesamt ermittelt. Aber wie setzen sich diese nun im Einzelnen zusammen?

Jede Bedarfsstufe deckt folgende Bereiche ab:

  • Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke
  • Bekleidung, Schuhe
  • Wohnen, Energie u. Wohnungsinstandhaltung (hierbei sind jedoch nicht die Heiz- und Wohnkosten gemeint, sondern Ausbesserungsarbeiten und anderes)
  • Innenausstattung, Haushaltsgeräte und –gegenstände (Bei der Erstgründung einer Wohnung kann eine Erstausstattung beantragt werden, verschlissene und kaputte Gegenstände sind von diesem Teil des Regelsatzes zu erbringen)
  • Gesundheitspflege
  • Verkehr (Fahrkarten, Taxen etc.)
  • Nachrichtenübermittlung
  • Freizeit, Unterhaltung, Kultur
  • Bildung
  • Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen
  • andere Waren und Dienstleistungen

Für eine alleinstehende und/oder alleinerziehende Person ist der Hartz-4-Regelsatz bei einer Berechnung folgendermaßen aufgeteilt (Werte sind gerundet):

Hartz 4: Aufschlüsselung der ersten Regelbedarfsstufe
Hartz 4: Aufschlüsselung der ersten Regelbedarfsstufe

Sollten an dieser Stelle Unsicherheiten bzgl. der konkreten Ausgaben aufkommen, können Sie beruhigt sein. Auch wenn für einen Hartz-4-Regelsatz eine Berechnung anhand der obigen Kriterien erfolgt, sind Sie nicht verpflichtet, Ihre Leistungen auch wirklich in exakt diesen Verhältnissen auszugeben. Sie können über Ihre monatlichen Bezüge frei verfügen – gesetzt den Fall natürlich, dass das Geld für eine „normale“ Lebensführung ausgegeben und nicht etwa in unnötige Luxusgegenstände investiert wird.

Welche weiteren Leistungen kann ich in Anspruch nehmen?

Sind Sie nachweislich leistungsberechtigt und können Hartz 4 vollumfänglich oder auch nur anteilig beziehen, dann stehen Ihnen je nach Bedarfslage noch andere Förderungen zu. Hier wird in Sonder- und Mehrbedarfe unterschieden: Ein Sonderbedarf meint im Regelfall eine einmalige Zahlung, für welche ein „unabweisbarer Bedarf“ besteht: so z. B. die bereits erwähnte Erstausstattung für eine Wohnungsgründung oder auch die Geburt eines Kindes.

Ein Mehrbedarf soll hingegen laufende Bedarfe abdecken. Bestimmte Mehrbedarfe werden regelmäßig anerkannt, hierzu zählen etwa der Mehrbedarf für Alleinerziehende oder auch der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung. Häufig bemisst sich am Einzelfall, ob ein Sonder- oder Mehrbedarf anerkannt wird oder nicht.

Abschließend lässt sich zum Hartz-4-Regelsatz und dessen Berechnung also Folgendes zusammenfassen:
Individuelle Bedarfsstufe + Mehr- und Sonderbedarfe – etwaige Abzüge = individueller Regelsatz

Bildnachweise: fotolia.com/Martin Fally

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