Bei Bezug von Hartz 4: Wird die Miete vom Jobcenter übernommen?

Das Wichtigste zur Miete bei Hartz-4-Bezug in Kürze

  • Beim Bezug von Hartz 4 muss die Miete in einem angemessenen Rahmen liegen.
  • Die Angemessenheit richtet sich maßgeblich nach dem örtlichen Mietspiegel sowie der Anzahl der Haushaltsbewohner. Daher kann es deutschlandweit zu großen Unterschieden bezüglich der vom Jobcenter gewährten Wohnung inklusive Miete kommen.
  • Übersteigen bei Hartz-4-Bezug die Mietkosten den Wert, welcher als angemessen definiert ist, muss der Hilfebedürftige den Differenzbetrag aus eigener Tasche bezahlen, sofern kein Härtefall vorliegt, der eine höhere Miete rechtfertigt.

Weitere Ratgeber zur Miete bei Hartz-4-Bezug

Wer zahlt die Mietkosten für Hartz-4-Empfänger?

Wer zahlt die Miete bei Hartz-4-Bezug?
Wer zahlt die Miete bei Hartz-4-Bezug?
In Deutschland sollen Arbeitslose bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt werden. Neben einzelnen berufsvorbereitenden Maßnahmen der Jobcenter gehört dazu auch die finanzielle Absicherung während der Arbeitslosigkeit.

Verliert ein Arbeitnehmer seine Anstellung, kann in aller Regel im ersten Schritt das Arbeitslosengeld 1 beantragt werden. Wird während der Bezugsdauer kein neuer Arbeitsplatz gefunden, sind Betroffene häufig gezwungen, Hartz 4 zu beantragen. Miete, Strom, Lebensmittel und sonstige Ausgaben können bei Arbeitslosigkeit häufig nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden.

Zu den Hartz-4-Leistungen gehört beispielsweise der Regelsatz. Es handelt sich dabei um eine monatliche Zahlung, welche die täglichen anfallenden Bedarfe decken soll. Zusätzlich wird beim Bezug von Hartz IV die Miete übernommen.

Auch die Nebenkosten bekommen Hartz-4-Empfänger in aller Regel vom Jobcenter erstattet. Darin inbegriffen sind beispielsweise Grundsteuer, Abwasserbeseitigung oder Müllabholung durch die Müllabfuhr.

Eine Wohnung zu mieten, ist mit Hartz-4-Anspruch grundsätzlich möglich. Wichtig ist, dass Sie die Zustimmung des zuständigen Jobcenters für einen entsprechenden Umzug vorliegen haben.

Wir groß darf eine Wohnung sein, für die das Jobcenter die Miete übernimmt?

Vielerorts gestaltet sich der Wohnungsmarkt als schwierig, die Mieten steigen und gerade bezahlbarer Wohnraum ist häufig schwer zu finden. Dieser Umstand erschwert auch Hartz-4-Empfängern die Wohnungssuche enorm.

Diese sind nämlich an strikte Vorgaben bezüglich monatlicher Mietkosten und Wohnungsgröße gebunden. Bei der angemessenen Wohnungsgröße ist natürlich entscheidend, wie viele Menschen im Haushalt leben. In der Hauptstadt Berlin gelten dabei folgende Richtwerte:

  • Eine Person: 50 m²
  • Eine Person mit Kind: 65 m²
  • Zwei Personen: 60 m²
  • Drei Personen: 80 m²
  • Vier Personen: 90 m²
  • Fünf Personen: 102 m²
  • Je weitere Person: 12 m²

Wie hoch dabei für Hartz-4-Empfänger die Miete ausfallen kann, variiert je Stadt und Region. Im weiteren Textverlauf gehen wir genauer darauf ein, ab wann eine Monatsmiete als „angemessen“ angesehen wird.

Erfolgt auch nach Umzug eine Mietübernahme vom Jobcenter?

Der örtliche Mietspiegel ist für Hartz-4-Empfänger ein wichtiger Anhaltspunkt.
Der örtliche Mietspiegel ist für Hartz-4-Empfänger ein wichtiger Anhaltspunkt.
Damit die Kaltmiete bei Hartz-4-Bezug weiterhin übernommen wird, wenn Leistungsempfänger in eine neue Wohnung ziehen, muss eine schriftliche Umzugsgenehmigung vom Jobcenter vorliegen. Wird ein Umzug ohne Genehmigung durchgeführt, werden nur die Bedarfe der alten Bleibe anerkannt.

Den Differenzbetrag muss der Hilfebedürftige dann aus eigener Tasche entrichten. Liegt die Zustimmung zum Wohnungswechsel allerdings vor, ist davon auszugehen, dass der Hartz-4-Empfänger die Miete komplett vom Jobcenter erstattet bekommt. Dies ist in § 22 Absatz 4 Sozialgesetzbuch II (SGB II) geregelt:

Vor Abschluss eines Vertrages über eine neue Unterkunft soll die leistungsberechtigte Person die Zusicherung des für die neue Unterkunft örtlich zuständigen kommunalen Trägers zur Berücksichtigung der Aufwendungen für die neue Unterkunft einholen. Der kommunale Träger ist zur Zusicherung verpflichtet, wenn die Aufwendungen für die neue Unterkunft angemessen sind.

Gut zu wissen: Erfolgt ein Wohnungswechsel, verlangt der neue Vermieter in aller Regel eine Mietkaution. Hartz-4-Empfänger können diese häufig aber nicht bezahlen, da ihnen die finanziellen Mittel für eine Ausgabe in der Größenordnung von zwei oder drei Monatsmieten fehlen. Daher ist es in aller Regel möglich, ein Darlehen für die Mietkaution beim Jobcenter zu beantragen. Es handelt sich dabei um einen zinslosen Kredit, welcher zurückgezahlt werden muss. Zu diesem Zweck behält das Jobcenter bis zur Tilgung der Schulden zehn Prozent vom maßgebenden Regelsatz ein.

Wie wird die angemessene Miete für Hartz-4-Empfänger definiert?

Beim Bezug von Hartz 4 darf die Miete eine bestimmt Angemessenheitsgrenze nicht überschreiten. § 22 Absatz 1 SGB II definiert diesbezüglich Folgendes:

Bedarfe für Unterkunft und Heizung werden in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen anerkannt, soweit diese angemessen sind.

Im Gesetzestext wird allerdings nicht genau definiert, wann eine Angemessenheit vorliegt. Für diese existieren Richtwerte. Diese werden maßgeblich durch zwei Faktoren ermittelt: den örtlichen Mietspiegel und die Anzahl der Personen, die in dem Haushalt leben werden.

Daher kann es regional bezüglich der angemessenen Mieten zu großen Unterschieden kommen. So liegt in Berlin der Richtwert für einen Ein-Personen-Haushalt beispielsweise bei einer maximalen Bruttokaltmiete von 404 Euro. In München wären es, aufgrund der allgemein höheren Mieten, 657 Euro.

Werden bei Hartz-4-Bezug neben Miete und Nebenkosten auch die Heizkosten übernommen?

Es werden für Hartz-4-Empfänger nicht nur Miete und Nebenkosten vom Jobcenter übernommen, auch die Heizkosten sind gedeckt. Allerdings müssen auch diese in einem angemessenen Rahmen liegen. Wird nachweislich verschwenderisch geheizt, muss der Betroffene eine eventuelle Nachzahlung aus eigener Tasche begleichen.

Unter 25-jährige Hartz-4-Empfänger: Miete wird meist nicht übernommen

Beziehen Hartz-4-Empfänger eine Wohnung, wird die Miete vom Jobcenter übernommen, wenn sie angemessen ist.
Beziehen Hartz-4-Empfänger eine Wohnung, wird die Miete vom Jobcenter übernommen, wenn sie angemessen ist.
Unter 25-jährige Hartz-4-Beziehende sind ein Sonderfall bezogen auf die Mietkostenübernahme vom Jobcenter. Bis zur Vollendung vom 25. Lebensjahr müssen die Eltern nämlich für den Sprössling aufkommen. Sie bilden also eine Bedarfsgemeinschaft.

Möchte ein Kind unter 25 Jahren diese verlassen, müssen triftige Gründe für einen Auszug vorliegen. Dies sind beispielsweise:

  • schwerwiegende soziale Gründe, wegen denen der Betroffene nicht bei den Eltern wohnen kann
  • Umzug ist erforderlich für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt
  • sonstige Härtefälle, die im Einzelfall geprüft werden

Treffen diese Gründe nicht zu, ist das Jobcenter nicht verpflichtet, eine Zustimmung zum Umzug zu leisten. Wird der Wohnungswechsel dennoch vollzogen, verliert der Betroffenen seinen Hartz-4-Anspruch.

Sonderfall: Hartz-4-Empfänger zahlt Miete nicht an den Vermieter

Grundsätzlich wird die Miete vom Jobcenter zunächst an den Leistungsempfänger überwiesen. Dieser muss die Zahlung dann entsprechend an den Vermieter weiterleiten. Ist dieser nach Auffassung des Jobcenters dazu nicht in der Lage oder bittet der Betroffene selbst darum, kann auch eine direkte Mietzahlung vom Jobcenter an den Vermieter erfolgen. Somit ist sichergestellt, dass keine Mietschulden entstehen, die im schlimmsten Fall zu einer Kündigung führen können.

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