Hartz-4-Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind – geht das?

Das Wichtigste zum Hartz-4-Mehrbedarf bei einer Behinderung vom Kind in Kürze

  • Grundsätzlich ist im Hartz 4 für ein behindertes Kindes des Antragstellers kein zusätzlicher Mehrbedarf vorgesehen.
  • Antragsteller können jedoch für eine eigene Behinderung einen Mehrbedarf erhalten.
  • Betroffene Eltern oder Elternteile können stattdessen Sozialgeld in Anspruch nehmen, welches dem Arbeitslosengeld 2 großteils gleicht.

Eine besondere Herausforderung

Hartz 4 für ein behindertes Kind ist ab dem fünfzehnten Lebensjahr möglich
Hartz 4 für ein behindertes Kind ist ab dem fünfzehnten Lebensjahr möglich
Eltern, die ein beeinträchtigtes Kind betreuen, haben oftmals nicht nur besonders intensive Fürsorge zu leisten; häufig werden spezielle Kleidungen, Hilfsmaterialien zur Alltagsbewältigung, Medikamente und ähnliches benötigt. Das sozialstaatliche Prinzip muss diese finanziellen Mehraufwendungen natürlich berücksichtigen.

Sind betroffene Eltern dann zusätzlich noch auf das Arbeitslosengeld 2 angewiesen, kommt schnell die Frage auf: Kann zusätzlich zu Hartz 4 eigentlich ein Mehrbedarf für die Behinderung vom eigenen Kind beantragt werden? Schließlich reicht die Grundsicherung meist gerade so für die Abdeckung der eigenen Bedürfnisse.

Die Antwort lautet: Nein. Innerhalb des Hartz 4 kann kein Mehrbedarf für eine Behinderung beim Kind geltend gemacht werden.

Ein solche Zusatzleistung wäre dann einforderbar, wenn der Leistungsbezieher selbst beeinträchtigt ist. Dann gilt ein Mehrbedarf von pauschalen 35% vom jeweils individuell errechneten Regelsatz, welcher zusätzlich ausgezahlt wird. Dieser könnte auch dann beansprucht werden, wenn das Kind das 15. Lebensjahr vollendet hat und selbst Hartz 4 bezieht.

Dass es keine derartige Leistung für die zu betreuenden Kinder von erwerbslosen Eltern gibt, hat zum einen damit zu tun, dass Hartz 4 das Existenzminimum bei Arbeitslosigkeit sicherstellen soll. Fürsorgeleistungen deckt es hingegen nicht ab, weshalb bei der Zahlung von Hartz 4 solch ein Mehrbedarf nicht erbracht wird. Zum anderen sind für die Behinderung vom eigenen Kind andere Zahlungen vorgesehen.

Eltern können Sozialgeld für ihre Kinder beantragen

Das Jobcenter ist zuständig für Hartz 4, der Sozialgeld-Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind
“Das Jobcenter ist zuständig für Hartz 4, der Sozialgeld-Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind
Leistungsbezieher können also keinen Hartz-4-Mehrbedarf für eine Behinderung beim eigenen Kind erhalten. Dennoch besteht das Recht auf eine andere ähnliche Leistung: das Sozialgeld.

Dieses ist den Hartz-4-Leistungen nicht unähnlich, weshalb diese beiden Leistungen wohl häufiger miteinander verwechselt oder gleichgestellt werden.

Der Anspruch auf Sozialgeld ist konkret in § 19 Abs. 1 Satz 2 und 3 Zweites Sozialgesetzbuch festgehalten:

Nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte, die mit erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Bedarfsgemeinschaft leben, erhalten Sozialgeld, soweit sie keinen Anspruch auf Leistungen nach dem Vierten Kapitel des Zwölften Buches haben. Die Leistungen umfassen den Regelbedarf, Mehrbedarfe und den Bedarf für Unterkunft und Heizung.

Minderjährige Kinder sind “nicht erwerbsfähig” in dem Sinne, als dass sie unter fünfzehn Jahren einem Arbeitsverbot unterliegen. Die “erwerbsfähigen Leistungsberechtigten” sind in dem Falle die Eltern, welche mit dem Kind eine Bedarfsgemeinschaft bilden.

Möchten Sie also statt einem Hartz-4-Mehrbedarf für die Behinderung von Ihrem Kind das Sozialgeld in Anspruch nehmen, dann müssen Sie sich dennoch an das Jobcenter wenden. Dieses ist nämlich für die Bearbeitung zuständig – und nicht etwa das Sozialamt, wie der Name vermuten lassen könnte. Zudem werden in der Regel dieselben Formulare wie für einen Hartz-4-Antrag verwendet.

Um im Hartz-4-Antrag einen Sozialgeld-Mehrbedarf für die Behinderung von einem Kind anzufordern, müssen Sie in der Regel die Anlage KI ausfüllen und Ihren Unterlagen anfügen. So können Sachbearbeiter schnell einschätzen, wer in der Bedarfsgemeinschaft welche Leistung erhält. Ein separater Antrag ist meist nicht nötig.


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