Was bei einer Hartz-4-Berechnung als Einkommen gewertet wird

Alles Wichtige zum Thema „Für Hartz 4 relevantes Einkommen“ in Kürze

  • Für eine Berechnung von Hartz 4 kann Vermögen und Einkommen eine Kürzung der Bezüge oder einen kompletten Leistungswegfall zur Folge haben.
  • Nicht jede Art Einnahme wird auch automatisch mit dem Regelsatz verrechnet – das Gesetz sieht verschiedene Ausnahmen vor.
  • Der unten stehende Hartz-4-Rechner berücksichtigt Einkommen und kann als erste Orientierung benutzt werden.

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Wer Einkünfte hat, muss diese mitunter verrechnen lassen

Hartz IV wird durch Einkommen verringert
Hartz IV wird durch Einkommen verringert

Nicht jeder, der auf das Arbeitslosengeld 2 angewiesen ist, ist auch automatisch erwerbs- oder mittellos. Viele Leistungsbeziehende üben eine Teilzeitbeschäftigung aus oder befinden sich in einem gering bezahlten Arbeitsverhältnis, während Arbeitslosengeld 2 ergänzend bezogen wird. Hartz-4-Aufstocker sind deshalb keine Seltenheit. Ebenso kann eine Person Einkünfte beziehen, welche sich nicht zwangsläufig aus einem Arbeitsverhältnis ergeben.

Dennoch sollen Grundsicherungsleistungen nur Bedürftigen zukommen. Neben dem individuellen Vermögen wird deshalb bei der Bemessung von Hartz 4 auch Einkommen verschiedener Art berücksichtigt. Je nach Art und Höhe können Leistungen so verringert werden oder auch vollständig entfallen.

Welche Einnahmen beim Regelsatz in Abzug gebracht werden

Nicht alle Einkünfte werden bei der Ermittlung des individuellen Anspruchs in Betracht gezogen. So wird bei Hartz 4 in anrechenbares Einkommen und solches unterschieden, welches von der Anrechnung unberührt bleibt.

Zu den Einnahmen, welche stets angerechnet werden, gehören z. B.:

  • Einkommen aus festen Arbeitsverhältnissen, Teilzeitbeschäftigungen oder Altersteilzeit: Beachten Sie hierzu, dass auch branchenübliches Trinkgeld abzuziehen ist! Dies wird jedoch nicht pauschal abgerechnet, sondern ist beim Hartz-4-Antrag in der Anlage EK in konkreter Höhe anzugeben. Hingegen bleiben Einkünfte aus sogenannten Ein-Euro-Jobs im Regelfall unberücksichtigt.
  • Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, Gewerbebetrieb oder Land- und Forstwirtschaft: Für diese Einkünfte ist die Anlage EKS vorgesehen.
  • Einnahmen aus einer Betriebsauflösung
  • vom Arbeitgeber gezahlte Auslöse (z. B. Verpflegungsmehraufwand, Übernachtungskosten etc.)
  • Rentenzahlungen und Rentennachzahlungen im Anspruchsmonat (gilt für Alters- und Erziehungsrente)
  • Einkommensteuererstattungen
Sofern mit den Kindern zusammen gewohnt wird, zählt Kindergeld als Einkommen bei Hartz 4
Sofern mit den Kindern zusammen gewohnt wird, zählt Kindergeld als Einkommen bei Hartz 4
  • Kindergeld, wenn mit betroffenen Kindern in einem Haushalt gewohnt wird: Bei der Anrechnung von Einkommen bzgl. Hartz 4 zählt eine Familie – gesetzt den Fall, dass diese zusammen wohnt und zusammen wirtschaftet – als Bedarfsgemeinschaft. Dementsprechend wird Kindergeld laut Gesetzgeber als für das Hartz 4 relevante Einkommen des Kindes begriffen. Hier ist noch anzumerken, dass bei einem Zusammenwohnen mit einem volljährigen Kind unter 25 das Kindergeld im Regelfall dem Kind und nicht den Eltern angerechnet wird. Eine Doppelberücksichtigung ist zu vermeiden.
  • Einmalige Einkünfte: Steuererstattungen (auch solche nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens), Lottogewinne u.ä. fallen bei der Ermittlung von Hartz 4 unter Einkommen, nicht unter Vermögen – im Regelfall werden diese für den Monat, in welchem Sie ausgezahlt werden, angerechnet.
Hinweis: Im Hartz-4-Antrag muss jedes Einkommen, welches Sie sicher oder voraussichtlich erzielen werden, angegeben werden – auch wenn diese anrechnungsfrei sein sollten. Tun Sie das nicht, drohen Hartz-4-Sanktionen!

Welche Posten ausgenommen sind

Paragraph 11a des zweiten Sozialgesetzbuches nennt verschiedene Bezüge oder Zuwendungen, welche für die Ermittlung von Hartz 4 nicht-relevantes Einkommen darstellen. In diese Kategorie fallen unter anderem:

  • andere Leistungen des SGB II
  • Bezüge aus Unfall- oder Verletztenrente
  • wenn volljährige Kinder noch bei ihren Eltern leben und diesen Beträge zahlen (Kostgeld), ist dieses nicht auf die Leistungen der Eltern anzurechnen
  • Elterngeldfreibetrag aus vorheriger Selbstständigkeit
  • Leistungen aus den Fonds „Heimerziehung West“, „Heimerziehung Ost“ und des IDA-Projektes
  • Entschädigungsleistungen von Flughafenbetreibern (nach Ausbau des Flughafens, Schallschutzmaßnahmen)
  • Entschädigungen für immaterielle Schäden nach § 253 Bürgerliches Gesetzbuch (Opfer von sexuellem Missbrauch etc.)
Geldgeschenke an die Kinder zählen, sofern angemessen, bei Hartz 4 nicht als anrechenbares Einkommen
Geldgeschenke an die Kinder zählen, sofern angemessen, bei Hartz 4 nicht als anrechenbares Einkommen
  • Kindergeld, wenn die Kinder nicht im selben Haushalt leben (eigener Haushalt oder Auflandsaufenthalt): Hier sollte jedoch per Überweisung oder Ähnlichem nachgewiesen werden, dass das Kindergeld an das Kind weitergeleitet wird
  • Verpflegungs- und Unterkunftspauschalen: Werden für die Teilnahme an einer beruflichen Maßnahme Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung erbracht, dann werden diese bei der Berechnung von Hartz 4 nicht als Einkommen gewertet
  • Geldgeschenke an Kinder zu Weihnachten, Geburtstag, Konfirmation oder Jugendweihe (bis 3.100 Euro)

Beachten Sie: Damit Motivationsprämien nicht angerechnet werden, müssen diese a) im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Vorschrift für einen genau benannten Zweck erbracht worden sein und b) eindeutig nicht als Unterhalt zum Leben dienen. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, können Motivationsprämien bei Hartz 4 als Einkommen zählen.

Wie wird die Höhe der anrechnungsfreien Beträge ermittelt?

Bei einer Ermittlung von Hartz 4 geht die Anrechnung von relevanten Einkommen vom Bruttobetrag aus. Grundsätzlich besteht ein Freibetrag von 100 Euro, wenn es sich um Einnahmen aus einem Arbeitsverhältnis handelt. Dieser Betrag wird also regelmäßig nicht berücksichtigt.

Darüber hinaus sind, je nach Höhe des Erwerbs, weitere prozentuale Freibeträge eingeräumt:

  • bei Verdiensten von 100 bis 1.000 Euro: 20 %
  • bei Verdiensten von 1.000 bis 1.200 Euro: 10 %

Zum letzteren ist noch anzufügen: Haben Leistungsberechtigte Kinder, dann erhöht sich diese Grenze von 1.200 Euro auf 1.500 Euro.

Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung, wie beim Hartz 4 das Einkommen berücksichtigt wird:

Herr Mayer fällt in die Regelbedarfsstufe 1, nach welcher ihm 416 Euro zustehen. Er hat einen 400-Euro-Job und verdient monatlich 350 Euro hinzu.
Von diesen 350 Euro sind zunächst 100 Euro abzuziehen. Von den verbleibenden 250 Euro sind weitere 20 % anrechnungsfrei, was 50 Euro sind. Das hieße, dass Herr Mayer 100 + 50 = 150 Euro behalten darf, während der Rest angerechnet wird.

Handelt es sich um einen Betrag über 1.000 Euro, dann wird folgendermaßen vorgegangen: Angenommen, Herr Mayer verdient 1.100 Euro. Dann werden zunächst 100 Euro von 1.000 Euro abgezogen, von den übrigen 900 Euro sind noch einmal 20 % anrechnungsfrei, was 180 Euro entspricht. Von den verbleibenden 100 Euro, welche über die Grenze von 1.000 Euro gehen, sind noch einmal 10 % anrechnungsfrei, also 10 Euro. Insgesamt sind das 100 + 180 + 10 = 290 Euro, welche nicht angerechnet werden.

Im Übrigen gelten dieselben Regelungen auch, wenn Sie Sozialgeld beziehen.

Bildnachweise: istockphoto.com/cmeder, fotolia.com/js-photo, fotolia.com/ivan kmit

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