Den Hartz-4-Bescheid verstehen

Das Wichtigste zum Hartz-4-Bescheid in Kürze

  • Das Jobcenter kontaktiert Sie in der Regel über genormte Bescheide per Post.
  • Diese können Bewilligungen, Absagen oder auch allgemeine Hinweise enthalten.
  • Sie haben grundsätzlich ein Recht darauf, bei Ihrem Jobcenter gegen einen Bescheid Widerspruch einzulegen.

Weitere Ratgeber zum Thema Hartz-4-Bescheid

Ihre Kommunikation mit dem Jobcenter

Der ALG-II-Bescheid ist nach wie vor die Hauptform des Kontaktes mit dem Jobcenter
Der ALG-II-Bescheid ist nach wie vor die Hauptform des Kontaktes mit dem Jobcenter

Auch wenn das Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) einen Teil des Sozialstaates repräsentiert, müssen Betroffene sich selbst um eine Antragstellung bemühen. Der Kontakt mit dem jeweiligen Jobcenter erfolgt, trotz aller Technisierung, nach wie vor hauptsächlich über postalische Schreiben. Ein solcher Hartz-4-Bescheid wird in der Regel immer verschickt, wenn

  • Ihrem Antrag stattgegeben wurde
  • Ihr Antrag abgelehnt wurde
  • Ihrem Antrag noch Nachweise beigefügt werden müssen
  • Ihr Bewilligungszeitraum ausläuft und Sie einen Folgeantrag stellen sollten

Auch wenn Sie Ihrer Erwerbsobliegenheit nicht nachkommen – wie etwa einem vereinbarten Termin im Jobcenter fern zu bleiben – kann eine Ermahnung über einen Hartz-4-Bescheid folgen. Die Schreiben sind also unerlässlich für einen Leistungsbezug. Im Nachfolgenden ist deshalb zusammengefasst, welche Informationen solche Schreiben beinhalten und wie Sie im Zweifelsfall gegen einen fehlerhaften Hartz-4-Bescheid vorgehen.

Benötigen Sie Hilfe bei Ihrem Hartz-4-Bescheid oder eine Erklärung des Inhaltes? Dann sind die Sachbearbeiter im Jobcenter Ihre Ansprechpartner. Vereinbaren Sie im Zweifelsfall einen Termin und lassen Sie sich beraten.

Das steht drin im Bescheid!

Ein solches Schreiben beinhaltet in der Regel folgende Informationen:

  • Ihr voller Name und Ihre Anschrift
  • Name und Anschrift Ihres Jobcenters
  • das Austellungsdatum
  • Ihre Kundennummer: Ihnen und den Menschen in Ihrer Bedarfsgemeinschaft, insofern denn eine besteht, wird eine individuelle Kundennummer zugeordnet – diese bleibt auch dann erhalten, wenn Sie kein ALG 2 mehr erhalten oder eine andere Leistung in Anspruch nehmen
  • der Bewilligungszeitraum: dieser beträgt, insofern nicht anders festgelegt, zwölf Monate
  • welche Leistung/Leistungen Ihnen ausgezahlt respektive verwehrt werden: beinhaltet Ihr Hartz-4-Bescheid eine Ablehnung, dann sollte stets eine Begründung beigefügt sein
  • die Nummer der Bedarfsgemeinschaft: Neben den individuellen Kundennummern ist auch jeder Bedarfsgemeinschaft eine extra Nummer zugewiesen
  • Auflistung der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung
  • Rechtsbehelfsbelehrung bzw. Hinweise auf Widerspruch
Hier finden Sie ein Hartz-4-Bescheid-Muster der Bundesagentur für Arbeit.

Falscher ALG-2-Bescheid? Dann können Sie Widerspruch einlegen!

Ihr Hartz-4-Bescheid wurde falsch berechnet oder abgelehnt? Das müssen Sie nicht hinnehmen
Ihr Hartz-4-Bescheid wurde falsch berechnet oder abgelehnt? Das müssen Sie nicht hinnehmen

Gleichwohl es sich um wichtige Dokumente handelt, sind die Entscheidungen auf solchen Dokumenten nicht „in Stein gemeißelt“. Schließlich können auch den Sachbearbeitern mal Fehler unterlaufen.

Wurde zum Beispiel in Ihrem Hartz-4-Bescheid etwas falsch berechnet, enthält das Schreiben falsche Angaben oder wurde Ihr Antrag auf Hartz 4 unrechtmäßig abgelehnt, dann können Sie einen Widerspruch einlegen. Hierbei handelt es sich um ein grundsätzliches Recht, in der Regel werden Sie in jedem Schreiben über diese Möglichkeit informiert.

Beachten Sie jedoch, dass ein Widerspruch nur in einem bestimmten Zeitraum erwirkt werden kann! Drei Tage, nachdem das Jobcenter das entsprechende Schreiben der Post übergeben hat, beginnt eine vierwöchige Frist; in dieser sollte ein entsprechender Widerspruch gestellt werden. Ist diese Frist verstrichen, kann eine Geltendmachung häufig nur sehr schwer durchgesetzt werden.

Auch wenn es sich bei einem Widerspruch um ein formloses Dokument handelt, sollten Sie das Schreiben mit Sorgfalt aufsetzen. Sie müssen angemessen und stichhaltig begründen können, welche Fehler in Ihrem Hartz-4-Bescheid vorliegen und was Ihnen eigentlich zusteht. Darüber hinaus sollte das Widerspruchsschreiben Ihre Kundennummer und die üblichen wichtigen Informationen enthalten.
Beinhaltet Ihr Hartz-4-Bescheid eine erneute Abweisung, können Sie sich rechtlichen Beistand suchen
Beinhaltet Ihr Hartz-4-Bescheid eine erneute Abweisung, können Sie sich rechtlichen Beistand suchen

Wie auch für den Antrag selbst gilt hier im Besonderen: Reichen Sie Ihren Widerspruch bei Möglichkeit persönlich ein und lassen Sie sich dies ggf. bescheinigen! In manchen Jobcentern gibt es direkt zentrale Widerspruchsstellen, an welche Sie sich wenden können.

Sollten Sie den Widerspruch per Post erwägen, dann nutzen Sie am Besten ein Einschreiben. So können Sie nicht nur verfolgen, ob und wann Ihr Brief zugestellt wird – im Zweifelsfall haben Sie auch einen Nachweis, dass das Schreiben tatsächlich versendet wurde.

Haben Sie gegen Ihren Hartz-4-Bescheid Widerspruch eingelegt und erhalten eine erneute Absage, ist immer noch nicht aller Tage Abend. Dann hilft meist jedoch nur noch der Gang zum Anwalt. Sie können im nächsten Schritt eine Klage beim zuständigen Sozialgericht einreichen. Da Hartz-4-Empfänger meist nicht in der Lage sind, die hierfür benötigten finanziellen Mittel aufzubringen, sind Zuschüsse bzw. Übernahmen der Prozesskosten und auch benötigter Beratungen möglich. Auch diese Unterstützungen müssen zunächst beantragt und überprüft werden.

Ich habe noch keinen Hartz-4-Bescheid erhalten – Wann kommst das Geld?

Noch kein Hartz-4-Bescheid? Ist die Dauer der Bearbeitung zu lang, können Sie einen Vorschuss in Anspruch nehmen
Noch kein Hartz-4-Bescheid? Ist die Dauer der Bearbeitung zu lang, können Sie einen Vorschuss in Anspruch nehmen

Leistungsberechtigte sollten stets von einer mehrwöchigen Bearbeitungszeit ausgehen. Durchschnittlich handelt es sich um etwa drei bis vier Wochen, je nachdem, wie viel die Mitarbeiter aktuell zu tun haben. Mitunter kann es auch möglich sein, dass über einen entsprechenden Antrag innerhalb weniger Tage entscheiden wird – pauschale Aussagen können nicht getroffen werden.

Im Übrigen sind Mitarbeiter des Jobcenters nicht verpflichtet, einen Antrag in einer bestimmten Zeit bearbeitet zu haben.

Nicht zuletzt hängt bei einem Hartz-4-Bescheid die Dauer der Bearbeitung auch von der Mitwirkung des Antragstellers ab. Müssen immer wieder Dokumente nachgereicht werden, zieht sich eine Bearbeitung natürlich entsprechend in die Länge. Deshalb empfiehlt es sich, gerade einen Erstantrag persönlich einzureichen. So können Sachbearbeiter Sie direkt darauf hinweisen, ob und was eventuell noch erbracht werden muss.

Sollten Sie unter einer akuten Geldnot leiden und sind auf umgehende Auszahlungen angewiesen, dann ist es natürlich auch möglich, einen Vorschuss zu erhalten. Die so ausgezahlten Beträge werden dann von ihren späteren Leistungen abgezogen. Solch ein Vorschuss ist auch dann möglich, wenn das Jobcenter Schuld an den verspäteten Zahlungen trägt.

Hier gilt weiterhin zu beachten, dass ALG 2 frühestens ab Monat der Antragstellung erbracht wird. Wie bereits erwähnt, wird der bewilligte Bezugszeitraum im Hartz-4-Bescheid mit aufgeführt. Eine rückwirkende Auszahlung von Leistungen über den ersten des Antragsmonats hinaus ist in der Regel nicht vorgesehen – auch dann nicht, wenn eine Hilfebedürftigkeit tatsächlich nachgewiesen wurde. Es ist auch möglich, zunächst einen Antrag zu stellen und Nachweise später einzureichen – auf die Art kann zumindest die jeweilige Frist gewahrt werden.

Bildnachweise: Fotolia.com/Karola Warsinsky, Fotolia.com/memyjo, Fotolia.com/Paolese

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (40 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Loading...