Überblick zum Arbeitsrecht: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Bekommt ein Arbeitnehmer die fristlose Kündigung, ist nicht selten die Existenz bedroht. Damit diese erfolgen kann, müssen allerdings gravierende Gründe vorliegen. Das Arbeitsrecht gewährt den Arbeitnehmern nämlich einen besonderen Schutz vor willkürlichen Arbeitgebern.

Im Arbeitsrecht finden sich unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen zum Arbeitsvertrag.
Im Arbeitsrecht finden sich unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen zum Arbeitsvertrag.

Doch nicht nur das Kündigungsschutzgesetz ist Bestandteil der rechtlichen Absicherung von Mitarbeitern. Das Arbeitsrecht definiert viele weitere Rahmenbedingungen für das Arbeitsverhältnis wie beispielsweise den Urlaubsanspruch oder die Erlaubnis, einen Betriebsrat ab einer bestimmten Unternehmensgröße bilden zu dürfen.

Doch welche Regeln lassen sich noch im Arbeitsrecht finden? Was muss alles in einem Arbeitsvertrag festgehalten werden? Wann besteht für Arbeitnehmer ein Anspruch auf Mindestlohn? Diesen Fragen widmet sich der nachfolgende Ratgeber und informiert Sie umfassend.

Kurz & bündig: Das Wichtigste zum Arbeitsrecht
  1. Das Arbeitsrecht soll dem Arbeitnehmer einen besonderen Schutz gewähren. Für den Arbeitgeber gelten unterschiedliche Regelungen, die eine Ausbeutung von Arbeitskräften und ungerechtfertigte Kündigungen verhindern sollen.
  2. Die Rahmenbedingungen für das Arbeitsverhältnis werden im Arbeitsvertrag festgehalten. Dieser muss von beiden Parteien unterzeichnet werden und ist somit bindend. Darin finden sich beispielsweise Vorgaben zur Kündigung von Arbeitgeber und Mitarbeiter.
  3. Arbeitnehmerinnen genießen in der Schwangerschaft und nach der Geburt des Säuglings einen besonderen Kündigungsschutz. Sämtliche Regelungen diesbezüglich werden im Mutterschutzgesetz (MuSchG) festgehalten.

Was wird in einem Arbeitsvertrag festgehalten?

Der Arbeitsvertrag beinhaltet Regelungen zur täglichen Arbeitszeit.
Der Arbeitsvertrag beinhaltet Regelungen zur täglichen Arbeitszeit.

Die Jobsuche kann sich mitunter gerade für junge Menschen schwierig gestalten. Häufig verlaufen die ersten Bewerbungen eher enttäuschend. Ist dann allerdings doch eine passende Arbeitsstelle gefunden und der Arbeitgeber möchte den Bewerber gerne im Unternehmen begrüßen, müssen die Rahmenbedingungen für das Arbeitsverhältnis definiert werden.

Diese werden im Arbeitsvertrag festgehalten. Handelt es sich um einen Tarifvertrag sind die Details in aller Regel tariflich vorgegeben. Ist das Unternehmen allerdings nicht tarifrechtlich gebunden, können die Kondition, unter Berücksichtigung vom Arbeitsrecht, frei ausgehandelt werden.

In einem Arbeitsvertrag werden in aller Regel die folgenden Punkte geklärt:

  • Gehalt: Damit ist die Zahlung gemeint, welche der Arbeitnehmer monatlich für seine verrichtete Arbeit erhält. Neben einem Festgehalt kann auch die Arbeit auf Provisionsbasis vereinbart werden. Bonuszahlungen wie beispielsweise ein Anspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können ebenfalls im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Gemäß Arbeitsrecht besteht allerdings kein Anspruch auf diese Sonderzahlungen.
  • Länge des Arbeitsverhältnisses: Unter diesem Punkt wird festgelegt, wie lange der Arbeitsvertrag Gültigkeit behalten soll. Es ist auch möglich, einen unbefristeten Vertrag auszustellen.
  • Arbeitsplatz und Tätigkeit: Ein wichtiger Punkt im Vertragswerk ist auch die Funktion, in welcher ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird (zum Beispiel als Volontär, Redakteur oder Redaktionsleitung). Zudem ist es möglich, den Arbeitsort festzulegen. So kann beispielsweise die Versetzung in ein anderes Bundesland ausgeschlossen werden.
  • Tägliche Arbeitszeit: Hier wird festgehalten, ob es sich um eine Tätigkeit auf Voll- oder Teilzeit handelt. Zudem wird in aller Regel definiert, wie viele Stunden der Arbeitnehmer wöchentlich leisten muss. In vielen Branchen ist eine 40-Stunden-Woche üblich.
  • Probezeit: Im Arbeitsrecht ist bezüglich der Probezeit gemäß § 622 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vorgeschrieben, dass diese einen Zeitraum von sechs Monaten nicht überschreiten darf. Beide Vertragspartner können während der laufenden Probezeit innerhalb einer Frist von zwei Wochen kündigen.
  • Urlaubsanspruch: Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf Urlaub, das ist im Arbeitsrecht festgelegt (§ 1 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG)). Zudem ist ein Mindesturlaubsanspruch definiert. Dieser lässt sich ganz einfach berechnen: Anzahl der Arbeitstage pro Woche multipliziert mit der Zahl vier. Der errechnete Wert gibt an, wie viel Urlaub Ihnen mindestens zusteht. Bei einer 5-Tage-Woche wären dies 20 Urlaubstage.

Ferner kann der Vertrag auch Regelungen zur Krankmeldung bei Arbeitsunfähigkeit enthalten. So kann der Arbeitgeber zum Beispiel festlegen, ob er ein Attest ab dem ersten Tag der Krankheit erwünscht oder dieses erst nach drei Tagen einfordert.

Welche Kündigungsfristen gelten gemäß Arbeitsrecht?

Für eine Kündigung gelten gesetzlich festgelegte Fristen.
Für eine Kündigung gelten gesetzlich festgelegte Fristen.

Nicht jedes Arbeitsverhältnis ist für die Ewigkeit gemacht. Es kommt vor, dass sich Arbeitnehmer eine berufliche Veränderung wünschen und daher den Job wechseln. Dabei ist allerdings die Kündigungsfrist zu beachten. Laut Arbeitsrecht beträgt diese vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats.

Für Arbeitgeber gelten gemäß § 622 Absatz 2 BGB folgende Kündigungsfristen im Arbeitsrecht:

Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen

1. zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats,

2. fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats,

3. acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats,

4. zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats,

5. zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats,

6. 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,

7. 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Wie bereits erwähnt, kann in der Probezeit von beiden Parteien aus mit einer Frist von zwei Wochen die Kündigung eingereicht werden. Arbeitnehmer haben nach Beendigung vom Arbeitsverhältnis in aller Regel Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.

Wer genießt laut Arbeitsrecht einen besonderen Kündigungsschutz?

Einen besonderen Kündigungsschutz genießen im deutschen Arbeitsrecht beispielsweise werdende Mütter, Schwerbehinderte, Mitglieder vom Betriebsrat oder Elternzeitberechtigte.

Geringfügige Beschäftigung: Regelungen zum Minijob

Durch den Mutterschutz sind Arbeitnehmerinnen rechtlich abgesichert.
Durch den Mutterschutz sind Arbeitnehmerinnen rechtlich abgesichert.

Für Schüler oder Studenten, die noch keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen können, stellt ein Minijob häufig eine ernste Alternative dar. Dabei können nicht nur erste berufliche Erfahrungen gesammelt werden. Auch der eigene Geldbeutel profitiert von der geringfügigen Beschäftigung.

Damit es sich tatsächlich um einen Minijob handelt, darf das monatliche Einkommen für die Tätigkeit 450 Euro nicht übersteigen. In diesem Fall bleibt die geringfügige Beschäftigung versicherungsfrei, es müssen also keine Sozialabgaben entrichtet werden.

Haben Minijobber Anspruch auf Mindestlohn?

Auch geringfügig beschäftige haben Anspruch auf den Mindestlohn, welcher in Deutschland aktuell bei 9,19 Euro pro Stunde liegt.

Mutterschutz und Elternzeit im Arbeitsrecht

Das Arbeitsrecht lässt werdenden Müttern und frischgebackenen Eltern eine besondere Fürsorge zukommen. Vor und nach der Geburt eines Kindes greift beispielsweise der Mutterschutz. Dieses räumt der Schwangeren beispielsweise einen besonderen Kündigungsschutz ein.

Zudem haben werdende Mütter Anspruch auf eine Arbeitsplatzgestaltung nach Gefährdungsbeurteilung. Der gesundheitliche Schutz muss zu jeder Zeit gewährleistet sein. Außerdem gilt eine Schutzfrist sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung. In dieser Zeit muss die Arbeitnehmerin nicht arbeiten.

Bei der sogenannten Elternzeit handelt es sich um eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitnehmerinnen können insgesamt 36 Monate lang in Elternzeit gehen, wovon Sie 12 Monate in den ersten drei Lebensjahren des Kindes in Anspruch nehmen müssen.

Die übrigen 24 Monate können zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes aufgeteilt werden. Um während der Elternzeit keine finanziellen Nachteile zu erfahren, können Betroffene Elterngeld beantragen.

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Ein Gedanke zu „Überblick zum Arbeitsrecht: Was Arbeitnehmer wissen müssen

  1. Toni K.

    Meine Cousine hat eine Kündigung erhalten, obwohl sie schwanger ist. Danke für den Tipp, dass in dem Fall der Mutterschutz gilt. Ich werde ihr raten, einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht zu konsultieren, um keine finanziellen Nachteile zu erfahren.

    Antworten

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